Boden – ein Wohnraum, eine Schönheitsfarm, eine Datenbank?

Die angehenden Gartenpfleger im Landkreis Aichach-Friedberg durften bei ihrer Exkursion in den Botanischen Garten Augsburg alles über den Gartenboden erfahren.

Veröffentlicht am 11.06.2019
Boden – ein Wohnraum, eine Schönheitsfarm, eine Datenbank?
Bild (© Landratsamt Aichach-Friedberg, Manuela Riepold): Dr. Regina Martin vom Botanischen Garten Augsburg lüftet die Geheimnisse des Bodens.

So steht es auf den großen Plakaten im Ausstellungsraum werbewirksam geschrieben und genau das alles steckt im sogenannten „Hortisol“, dem Gartenboden, der Bayerns Boden des Jahres 2017 war. Die wissenschaftliche Bezeichnung Hortisol leitet sich aus dem Lateinischen ab und setzt sich aus den Worten "hortus" (Garten) und "solum" (Boden) zusammen. Doch was ist Gartenboden, welche Lebewesen bewohnen ihn und welchen Nutzen bringt er dem Menschen? Das durften die angehenden Gartenpfleger im Landkreis Aichach-Friedberg bei ihrer Exkursion in den Botanischen Garten Augsburg erfahren.
Eine Ausstellung des Landesamtes für Umwelt zum Thema Boden gastiert dort und begeistert große und kleine Besucher. Es darf mit echtem Boden „gebatzt“ werden und unterschiedliche Thementische ermöglichen ganz praktische Erfahrungen. Gartenboden entsteht durch langjährige menschliche und vor allem auch tierische Aktivitäten: regelmäßiges Umgraben, Harken, wiederholtes Einbringen von Kompost, Stallmist, das Gießen und Nutzen der Pflanzen, sowie Regenwürmer und weitere Bodenlebewesen, die den Boden bis in größere Tiefen durchmischen und ihn durch ihre Arbeit erst so richtig fruchtbar machen. Gartenboden braucht menschliches Zutun, deshalb findet man ihn eher in Siedlungsbereichen mit kleinflächigen Gartenbaugebieten, in langjährig bewirtschafteten Haus- und Kleingärten sowie in Kloster-, Schloss- und Burggärten. Folgende Beschreibung für guten Gartenboden findet sich weiter in den Informationen des LfU:
„Guter Gartenboden ist fruchtbar und hat eine große Wasser- und Nährstoffspeicherkapazität. Er ist feinkrümelig, leicht durchwurzelbar und humos. Darüber hinaus ist er Wohnort für Pflanzen und Tiere: In einer Handvoll Gartenboden leben mehr Bakterien, Pilze, Spinnen, Insekten und Würmer als es Menschen auf der Erde gibt. Aufgrund seines Humusanteils kann der Gartenboden dauerhaft Kohlenstoff aus der Luft (CO2) binden und speichern. Die Gartenböden in Deutschland und der Welt werden das Klima allein nicht stabil halten, aber jeder Gartenbesitzer kann zumindest einen kleinen Betrag gegen den Klimawandel leisten, indem er den Humusgehalt seines Bodens erhält und fördert. Gartenböden sind Archive, da sie manchmal Knochen, Ziegelreste, Keramikscherben und Holzkohle enthalten können und somit Siedlungs- und Kulturgeschichte einer Region dokumentieren.“
Gefährdet ist der Hortisol in vielen Gärten moderner Siedlungen durch Verdichtung. Um Zeit und Kosten zu sparen wird in vielen Fällen beim Hausbau nur wenig Rücksicht auf den Boden genommen. Das Ergebnis sind oft verdichtete Unterböden, über die eine dünne Schicht Oberboden aufgebracht wird. Den Pflanzen ist es kaum mehr möglich tiefe Wurzeln zu bilden.“

Wenn Sie selbst Interesse an solch spannenden Themen haben, kommen Sie gerne zur Gartenpflegerausbildung dazu. Egal ob nur für den privaten Gebrauch, oder aber mit einer abschließenden Prüfung zum Gartenpfleger: in jährlich ca. sechs Veranstaltungen wird alles relevante Wissen rund um das Thema Grün und Garten im Rahmen dieser von der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Aichach-Friedberg initiierten Ausbildungsreihe in Kooperation mit dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Aichach-Friedberg in theoretischen Fachvorträgen vermittelt, um anschließend in der Praxis überprüft zu werden.

Informationen und Anmeldung bei Manuela Riepold, Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Aichach-Friedberg, 08251/92-392, manuela.riepold@lra-aic-fdb.de bzw. auf der Homepage des Landratsamtes im Fachbereich der Kreisfachberatung.