Brücken bauen zwischen den Kulturen – erstmals „Sprach- und Kulturmittler“ im Wittelsbacher Land qualifiziert

Knapp 20 interessierte Menschen mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund konnten in den letzten Monaten für das Pilotprojekt gewonnen werden und werden nun für ihren Einsatz qualifiziert.

Veröffentlicht am 09.02.2018
Brücken bauen zwischen den Kulturen – erstmals „Sprach- und Kulturmittler“ im Wittelsbacher Land qualifiziert
Bild (© Landratsamt Aichach-Friedberg, Marina Lovric): Vorne v. links: Fatima von Kaehne, Svetlana Merck, Sabrina Mansour, Rana Sayed, Pervin Turhan; Zweite Reihe v.links: Marta Patrycja Abramczuk, Nicole Matthes (dahinter), Tanja Sabbagh Amirkhizi, Emel Duman, Pashije Halili; Dritte Reihe v. links: Muhamad Akrami, Najibullah Khoja, Dr. Judith Abdel-Massih-Thiemann; Vierte Reihe v. links: Zübeyda Dogan, Bassel Almatouk, Hothaefa Al-Sheik; hinten v. links: Amanuel Kifle, Ahmad Almakad

Knapp 20 interessierte Menschen mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund konnten in den letzten Monaten für das Pilotprojekt gewonnen werden und werden nun für ihren Einsatz qualifiziert. Der erste von zwei Schulungsblöcken ist bereits absolviert. Nach der Ausbildung, als sogenannte „Sprach- und Kulturmittler“, werden sie dann Neuzugewanderte zu Terminen begleiten, übersetzen und dabei auf kulturelle Besonderheiten aufmerksam machen und so für mehr interkulturelle Verständigung sorgen.

Ziel der Ausbildung ist es, respektvoll, kultursensibel und neutral zu übersetzen und Verständnis auf beiden Seiten zu schaffen. Sprach- und Kulturmittler können in unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz kommen, beispielsweise in Städtischen Einrichtungen, Behörden, Beratungsstellen, Schulen sowie im Gesundheitswesen, wenn neben der sprachlichen Übersetzung, sondern darüber hinaus „Kultur übersetzt“ werden soll.

Für die Konzeption und Umsetzung der Fortbildung konnte die Dozentin und Trainerin Frau Dr. Judith Abdel-Massih Thiemann in den Landkreis geholt werden. Sie ist u.a. als Trainerin für interkulturelle Kommunikation weltweit in Krisengebieten im Einsatz und gibt ihre Erfahrungen aus einer interkulturell geprägten Familie authentisch an die Teilnehmer weiter. Die Qualifizierung gliedert sich in zwei Ausbildungsmodule. Themenschwerpunkte sind u.a. Dolmetsch-Grundlagen, Kulturbegriff und Rollenverständnis, Schweigepflicht, Datenschutz, schwierige Situation und der souveräne Umgang damit. Den ersten Block haben die Teilnehmer bereits erfolgreich absolviert. Nach der Schulung unterstützen die Sprach- und Kulturmittler u.a. mit folgenden Sprachen: Farsi, Dari, Persisch, Paschtu, Urdu, Tigrinya, Arabisch, Türkisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch.

„Alle sind hoch motiviert und nehmen ihre Aufgabe als Kulturmittler sehr ernst. Die Gruppe ist schon nach kurzer Zeit zusammengewachsen“, freut sich Projektleiterin Nicole Matthes. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und sie alle haben etwas gemeinsam: sie haben fundierte Fremdsprachenkenntnisse, wollen sich ehrenamtlich engagieren und zu mehr interkultureller Verständigung beitragen. Angemeldet haben sich knapp 20 Personen aus den verschiedensten Herkunftsländern mit unterschiedlichsten Biografien. Ein Sprach- und Kulturmittler ist zum Beispiel Hothaefa Al-Sheikh, der vor rund drei Jahren aus Syrien kam, englische Literaturwissenschaften studiert und bereits ein Buch mit dem Titel „Flucht nach vorn“ herausgebracht hat. Oder Sabrina Mansour, die ursprünglich aus Sansibar kommt und mehrere Sprachen spricht. Sie ist als Zumba-Trainerin tätig und in mehreren ortsansässigen Vereinen engagiert. Oder Ahmad Almakad aus Syrien, der bereits für die Ausländerbehörde ehrenamtlich übersetzt hat, als 2015 die Erstaufnahmeeinrichtung in Friedberg eingerichtet wurde. Er konnte damals nur englisch, da er selbst kurz zuvor nach Deutschland kam. Heute spricht er hervorragend deutsch und absolviert eine kaufmännisch-technische Ausbildung. Oder Zübeyda Dogan, die in Deutschland geboren ist und die sich neben der Tätigkeit als Sprach- und Kulturmittlerin auch im Projekt MUSA- muslimische Seelsorge in Augsburg engagiert. Sie weiß, wie es ist, kulturell zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Oder Amanuel Kifle aus Eritrea, der aktuell den Integrationskurs absolviert und in kürzester Zeit Deutsch gelernt hat. Er möchte sich engagieren, seine Zeit sinnvoll nutzen und in Kontakt mit anderen Menschen kommen. Nach Abschluss der Fortbildung erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat.

Die Freiwilligenagentur „mitanand und füranand im Wittelsbacher Land“ ist Anlaufstelle rund um das Thema Ehrenamt im Landkreis Aichach-Friedberg und informiert, berät und vermittelt Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig engagieren wollen. Außerdem ist sie Ansprechpartner für gemeinnützige Organisationen, Initiativen und Vereine.
 
Anfragen und weitere Informationen zum Projekt gibt es bei Nicole Matthes Projektleitung „Sprach- und Kulturmittler“ unter  Tel. 08251/20420-19 oder per        
E-Mail: nicole.matthes@lra-aic-fdb.de.