Bürgerschaftsprojekt „Wittelsbacher Land blüht und summt“

Lassen Sie Ihren Garten nicht zum Tatort werden! Gegen die "Steinepest" im Garten.

Die Steinepest im Garten. In den letzten Jahren hat sich langsam aber sicher ein neuer Trend etabliert: Beete mit Schotter- und Kiesabdeckung in privaten Vorgärten, öffentlichen Grünflächen oder auch Friedhöfen – Steingärten. Hierbei werden große Mengen an Schotter und (farbiger) „Zier“-Kies in „Pflanz“-Flächen geschüttet. Pflanzen selbst kommen in solchen Konzepten nur vereinzelt als Dekoration vor und werden häufig nicht standortgerecht verwendet.

Von wegen pflegeleicht: Die Pflege von Stein-Beeten ist zeitintensiv – folgende Arbeiten müssen Sie einplanen:

  • Vor allem in Schattenlagen bildet sich schnell ein Belag aus Algen und Moosen auf den Steinen, Staub und Erde aus der Luft setzen sich auf schneeweiße Kiesel, Falllaub bleibt liegen, verrottet und lässt Unkraut sprießen.
  • Der oft praktizierte Einsatz von Vlies oder gar Folie erhöht den Pflegaufwand noch weiter, sobald sich die ersten Wurzelunkräuter an den Pflanzlöchern etabliert und unterirdisch munter ausgebreitet haben.
  • Häufig sind Formgehölze Teil des Gestaltungskonzeptes, die jährlich 1-2 Formschnitte benötigen. Das Schnittgut muss penibel aufgeräumt werden, um die Optik zu wahren.
  • Erfahrungsgemäß treten regelmäßig Schädlinge (Schildläuse, Spinnmilben, etc.) auf, die bekämpft werden müssen, da die trocken-heiße Luft über den aufgeheizten Steinen einen Befall fördert.
  • Innerhalb kurzer Zeit sehen die Steinschüttungen meist ungepflegt aus, weil der Pflegeaufwand unterschätzt wurde: Der Einsatz von Herbiziden ist laut Pflanzenschutzgesetz verboten, Laubrechen oder Besen benötigen viel Zeit, Laubsauger sind laut, insektenfeindlich und energieintensiv.

Klimaschutz? Fehlanzeige. Auch Klima und Umwelt leiden unter „Steinwüsten“:

  • Unerwünschte Aufheizung des Kleinklimas in Städten und Gemeinden in der Nacht, aufgrund der Abgabe der tagsüber aufgenommenen Wärme (heiße Steine). Dadurch kommt es zu ungünstigen Wachstumsbedingungen für die wenigen Pflanzen.
  • Negative Klima-/CO2-Bilanz durch Abbau, Bearbeitung und Transport der Steine (oft Importe aus Entwicklungsländern, zum Teil Kinderarbeit).
  • Durch das Fehlen einer üppigen Bepflanzung wird kein Sauerstoff produziert und kein Feinstaub gebunden.

Die Bedeutung der Pflanzen und der Artenvielfalt tendiert gegen Null. Dabei bieten gerade Privatgärten Vögeln und anderen Tierarten wichtige Nahrungsquellen, Brut- und Unterschlupfmöglichkeiten. Ein bunter Garten bereitet tatsächlich nicht mehr Aufwand. Dafür bietet er aber wesentlich mehr Vielfalt und deutlich mehr Nutzen für Klima, Umwelt und Tiere.

Pflegeleicht geht anders: bunt. Die Botschaft an alle Gartenbesitzer lautet darum „Entsteint Euch!“ und setzt wieder Pflanzen in euer privates Paradies – in einen Garten gehören möglichst viele verschiedene Stauden, Sträucher, Bäume, Gehölze, Gemüse-, Obst- und auch Zierpflanzen. Das schafft einen immensen Reichtum an Sorten, Arten, Formen, Farben, Blüten, Düften und Nahrung – für Sie als Bewohner Ihres „grünen“ Wohnzimmers und für viele Insekten. Ein solches Gartenparadies geht pflegeleicht und einfach.

Um die bunte Vielfalt aktiv zu fördern, informiert der Landkreis Aichach-Friedberg zukünftige Bauherrinnen und Bauherren mit einem entsprechenden Faltblatt in den Baugenehmigungsunterlagen.

Wer unsicher ist, wie er mit der Gestaltung des eigenen grünen Paradieses seinen ganz individuellen Beitrag zur Steigerung der Artenvielfalt leisten kann, darf sich gerne von der Kreisfachberaterin Manuela Riepold am Landratsamt beraten lassen.

 

Ansprechpartner: Manuela Riepold

Kreisfachberatung für Gartenkultur u. Landespflege

08251/92-392

manuela.riepold@lra-aic-fdb.de