Der Aichacher Rentamtmann Simon von Zwack als Illuminat (1776–1785). Zur Biographie eines der Aufklärung verpflichteten kurfürstlichen Beamten

"Altbayern in Schwaben" heißt die Jahrbuchreihe des Landkreises, in der sich ehrenamtliche Autoren mit heimatgeschichtlichen Themen aus dem Wittelsbacher Land befassen. Während der Sommerferien stellen wir hier die zehn Artikel aus dem Band 2016 in Kurzbeiträgen vor.

Veröffentlicht am 18.08.2017
Der Aichacher Rentamtmann Simon von Zwack als Illuminat (1776–1785). Zur Biographie eines der Aufklärung verpflichteten kurfürstlichen Beamten
Das Wappen des Reichsedlen von Zwack.

In der ersten Aichacher Stadtchronik wurde die Betriebsamkeit des Rentamtmanns Simon von Zwack lobend hervorgehoben, auf dessen Initiative die Stadtgräben und Wälle eingeebnet und das Areal unter die Bürger verteilt worden sei, deren lachende Wiesen und Gärten das Stadtbild nun verschönerten. Bereits in den „Reiseberichten aus dem Königreich Bayern“ wurde dieses Beispiel fortschrittlicher Landeskultur als überlieferungswürdig erachtet und so von der Stadtchronistik fortgeschrieben bis in neuere Zeit.

Bisher unbeachtet blieb dagegen ein Vorwurf, den Kreisheimatpfleger Karl Leinfelder 1953 gegen Simon von Zwack erhob. Er sei Mitglied im Geheimbund der Illuminaten gewesen, deren Weltanschauung doch den Grundstein gelegt habe zu einem der dunkelsten Kapitel bayerischer Geschichte – der Aufhebung der Klöster und blinder Vernichtung tausendjähriger Kultur mit ihren Kunstschätzen.

Wie aus den überlieferten Schriften hervorging, war Simon Zwack Freimaurer und Illuminat, als er im März 1783 Gerichtsschreiber Johann Paul von Stadler in Aichach als Praktikant adjungiert wurde, dessen Schwester Margarethe er geehelicht hatte. Im Juli 1784 wurde ihr erstes Kind, eine Tochter geboren. Vermutlich sollte auch hier eine Ordensniederlassung, eine Minervalkirche begründet werden, worauf bereits der für Aichach erwählte Ordensname Invenatium hinweist. Gesichert ist dagegen, dass derzeit Minervalversammlungen in der Stadt abgehalten wurden, die Kanonikus Hertel in seiner späteren Aussage explizit erwähnte. Die bis heute unvollständigen Mitgliederlisten nennen hier keine weiteren Ordensmitglieder, doch konnten Illuminaten in der näheren Umgebung ermittelt werden.

Wo die Versammlungen abgehalten wurden, in der Gerichtsschreiberwohnung am Stadtplatz oder eher im ruhigen Nebenzimmer eines Wirtshauses, wie es auch die Münchner bis zum Kauf des eigenen Logenhauses 1782 hielten, ist nicht bekannt. Oder stand ihnen sogar als idealer Ort für derartige geheime Versammlungen das landesfürstliche Staatsgut Unterwittelsbach zur Verfügung? Seit September 1781 war J. Paul von Stadler Pächter zumindest der Schlossbaugründe, nach dessen Tod gingen sie an Simon Zwack über und verblieben in der Familie bis zum Jahr 1811.

Der komplette Beitrag von Bettina Brühl ist erschienen im Band 2016 der Reihe „Altbayern in Schwaben“. Dieser ist im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt Aichach-Friedberg erhältlich. Dort gibt es auch Restbestände der vorhergehenden Jahrgänge.