Die hl. Kümmernis und das arme Geigerlein und ihre Darstellungen im Wittelsbacher Land

"Altbayern in Schwaben" heißt die Jahrbuchreihe des Landkreises, in der sich ehrenamtliche Autoren mit heimatgeschichtlichen Themen aus dem Wittelsbacher Land befassen. Während der Sommerferien stellen wir hier die zehn Artikel aus dem Band 2016 in Kurzbeiträgen vor.

Veröffentlicht am 16.08.2017
Die hl. Kümmernis und das arme Geigerlein und ihre Darstellungen im Wittelsbacher Land
Die heilige Kümmernis in der Badangerkapelle in Kissing (Bild: Hubert Raab).

Gabriele Raab

Diese Frau am Kreuz hat viele Namen, unter anderen: Wilgefortis als virgo fortis, St. Ontkommer, heilige Kümmernis als Entkümmerin und auch Liberata. Wie sehr sie auch heute noch im Focus des Interesses steht, zeigt eine Nachfrage im Internet unter St. Kümmernis, die 13 700 Einträge unterschiedlichster Art bringt, von Theologieprofessoren, Romanschriftstellern, Volkskundlern bis hin zu den Gebrüdern Grimm und Conchita Wurst.

In der Wallfahrtskirche Hl. Kreuz in Hollenbach hängt im Chorraum der Kirche gegenüber der ausdrucksstarken Figur des hl. Dismas eine Figur der St. Wilgofortis, die ebenfalls um 1720 in die Kirche gekommen ist. Ikonographisch lehnt sich die Figur an das Volto-Santo-Bild an, wie sie in Süddeutschland oft dargestellt wurde. St. Wilgefortis, gekrönt und mit langem Bart, ist aufrecht an das Kreuz genagelt. Gekleidet ist sie mit einer blau-goldenen Ärmeltunika. Ein Gürtel bringt die weiblichen Formen zum Ausdruck. Steichele berichtet von der Darstellung der hl. Wilgefortis aus der 1876 abgerissenen Kirche. Auf dem Altare der Epistel-Seite steht die heil. Kümmerniß (St. Wilgefortis), gut geschnitztes Votiv-Bild eines Freiherrn von Deuring, kurbaierischen Pflegers zu Friedberg, und seiner Gemahlin. Zu dieser Zeit hatte Karl Joseph Anton von Deuring die Hofmark Stätzling inne. Er wurde vor 1681 als Sohn des Gallus Sebastian Freiherrn von Deuring und Maria Scheiterberg zu Stätzling geboren, der das Schloss, die Loreto-Kapelle (1688) und die Pfarrkirche (1699) in Stätzling erbaute. Er war Herr auf Bitzenhofen, Neuhausen und Wulfertshausen, resignierter Hofkammerrat und Landrichter zu Friedberg. Das Geigerlein hat sich wie vieles andere aus der abgebrochenen Kirche nicht erhalten.

Auch in der wenig beachteten Badanger-Kapelle in Kissing hängt an der rechten Seitenwand gegenüber dem Arma-Christi-Kreuz eine Holzplastik der hl. Kümmernis in Volto-Santo-Art aus dem frühen 18. Jahrhundert. In eine gegürtete Tunika gekleidet, gekrönt, mit dunklem Bart und offenen Augen, schwebt sie majestätisch mit ausgestreckten Armen aufrecht vor dem Kreuz. Ihren Ursprung hat die Kapelle in einem 1679 von dem in Kissing gebürtigen Pflegjäger zu Friedberg Georg Wörschi errichteten Kreuz. Seine Söhne Georg und Melchior Wörschi ließen 1697/1706 die Kapelle zu den Sieben Zufluchten errichten.

Der komplette Beitrag von Gabriele Raab ist erschienen im Band 2016 der Reihe „Altbayern in Schwaben“. Dieser ist im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt Aichach-Friedberg erhältlich. Dort gibt es auch Restbestände der vorhergehenden Jahrgänge.