Die Luft im Markte Inchenhofen ist vergiftet wegen der schädlichen Gräber Ausdünstungen. Die Friedhofsverlegung 1803

"Altbayern in Schwaben" heißt die Jahrbuchreihe des Landkreises, in der sich ehrenamtliche Autoren mit heimatgeschichtlichen Themen aus dem Wittelsbacher Land befassen. Während der Sommerferien stellen wir hier die zehn Artikel aus dem Band 2016 in Kurzbeiträgen vor.

Veröffentlicht am 23.08.2017
Die Luft im Markte Inchenhofen ist vergiftet wegen der schädlichen Gräber Ausdünstungen. Die Friedhofsverlegung 1803
Bild: Hubert Raab – Zur Erinnerung an die einst im alten Friedhof Begrabenen ließ Pfarrer Paul Bega diese Gedächtnissäule errichten.

Eine der schlimmsten Übelstände waren die Beerdigungsplätze in Stadt oder Markt, so eingeengt und von Wohnungen umbaut, dass sie eine dauernde Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung bildeten. Dies traf auch für den Friedhof im Markt Inchenhofen zu, der sich innerhalb des Kirchen- und Klosterbezirkes mitten im Ort befand. Das Zeitalter der Aufklärung erhöhte das Bewusstsein für die Gesundheit und Hygiene. Es verstärkte auch das Nachdenken über überholte und nicht mehr zeitgemäße Bestattungssitten und -gebräuche und förderte so die Loslösung von uralten kirchlichen Riten und Gesetzen. Wenigstens im Tode sollten alle gleichgestellt sein.
Im Markt Inchenhofen befand sich der Friedhof wie auch in anderen Städten und Märkten rings um die Kirche. Den Umfang des alten Friedhofs kann man deutlich auf alten Stichen erkennen. Er dehnte sich an der Nordseite der Leonhardskirche, von einer Mauer ringsum eingefasst, bis zu den langgestreckten Gebäuden des Superiorates  aus. Aber auch an der Südseite der Kirche befanden sich Grabstätten zum Marktplatz hin.

Unheimliches und Sagenhaftes vom alten Friedhof
Unter der älteren Bevölkerung Inchenhofens ist immer noch verbreitet, dass unterirdische Gänge vom Superiorat zur Kirche, aber auch zu Bürgerhäusern wie zum ehemaligen Klosterwirt, zum Voglbräu oder auch zum Baderwirt vorhanden waren. Teilweise sind noch zugemauerte Eingänge in alten Kellern zu sehen. Bei Umbauarbeiten und Grabungen im alten Friedhofsbereich um die Kirche und um die Klosteranlagen wurden immer wieder Knochen von Toten gefunden. Dies war für die Bürger, aber vor allem natürlich auch für die Kinder, die ja seit der Säkularisation einen Teil der ehemaligen Klostergebäude als Schule benutzten, doch oft etwas Unheimliches. Da im Laufe der zwei Jahrhunderte das Wissen über das ehemalige Kloster weniger wurde, reimte man sich vieles zusammen: Dass in den Klosterkellern Kinderknochen gefunden wurden, dass in den Gewölben Mönche eingemauert seien und dass diese unterirdischen Gänge teilweise noch vorhanden seien. Für all dieses gibt es aber keine Beweise. 1803 löste die Säkularisierungskommission das Superiorat St. Leonhard auf. Die Gebäude, das Mobiliar, die Grundstücke, Äcker, Wälder und Wiesen versteigerte man unter der Bevölkerung. Auch beim Erhalt der Kirche kam man der Marktgemeinde entgegen. Die Einheimischen profitierten vorerst von der Auflösung des Superiorates. So befolgten der Rat und die Bürger die Anordnung der Regierung sogleich und verlegten den Friedhof außerhalb der Ortschaft nach Osten zwischen der Straße nach Radersdorf und dem Weg nach Großhausen.

Der komplette Beitrag von Rainer Roos ist erschienen im Band 2016 der Reihe „Altbayern in Schwaben“. Dieser ist im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt Aichach-Friedberg erhältlich. Dort gibt es auch Restbestände der vorhergehenden Jahrgänge.