Frühe Hilfen helfen Familien

Zehn Jahre KoKi – Netzwerk frühe Kindheit

Veröffentlicht am 18.07.2019
Frühe Hilfen helfen Familien
Zehn Jahre "KoKi – Netzwerk frühe Kindheit" feierte das Kreisjugendamt mit seinen Fachkräften und Partnerinnen (v. l.): Birgit Karmann, Martina Wolf, Maria Bäck, Andrea Mayer, Christine Seybold, Katrin Volkmann, Ariane Gorbach-Hölzle, Gertrud Philipp-Johansson, Karin Selig, Brigitte Dunkenberger, Stefanie Jahn, Marion Hirsekorn, Anna Brickmann (Bild © Landratsamt Aichach-Friedberg, Florian Hauser).

Sonnenblumen gab es von Landrat Dr. Klaus Metzger zum Dank für die vielen Fachkräfte und Partnerinnen des Fachbereiches KoKi – Netzwerk frühe Kindheit. Seit zehn Jahren unterstützt dieses Netzwerk junge Familien in schwierigen Lebenssituationen. Dies war für das Kreisjugendamt der Anlass für eine kleine Jubiläumsfeier im Aichacher Kreisgut.

„Durch Sie alle gelingt es, Kinder nicht nur vor Gefährdung zu schützen, sondern in ihrer ganzheitlichen Entwicklung von Anfang an zu fördern!“, so Metzger. Damit richtete er sich insbesondere an die zehn Familienkinderkrankenschwestern, die Familienhebamme, die drei pädagogischen Fachkräfte sowie die Familienpflegerinnen und Familienpaten, die sich dem Fachbereich KoKi – Netzwerk frühe Kindheit zur Verfügung stellen. Schwangeren oder Familien mit kleinen Kindern werden sie in ihrem Familienalltag bei Bedarf zur Seite zu gestellt. „Wir freuen uns sehr, dass es uns in den letzten Jahren gelungen ist, alle diese Fachkräfte zu gewinnen, die Familien bei ihrer Alltagsbewältigung zeitweise begleiten“, so Katrin Volkmann, Pädagogin im Fachbereich KoKi. „Selbstverständlich wissen wir, dass es immer eine Hemmschwelle ist, Hilfe anzunehmen und sich auf Hilfe einzulassen. Gerade rund um die Geburt und in der frühen Kindheit machen wir jedoch die Erfahrung, dass Familien dankbar für Unterstützung sind, wenn sie erleben, dass diese ihrer Familie auch konkret hilft“, ergänzt Stefanie Jahn, ebenfalls Fachkraft bei KoKi.

Familienleben per se ist eine Herausforderung, das weiß jede Familie. Eltern stecken unendliche Bemühungen und Kräfte in das Aufwachsen ihrer Kinder. Kommen besonders viele schlaflose Nächte, gesundheitliche Sorgen, finanzielle Schwierigkeiten, familiäre Konflikte oder auch unvorhersehbare Schicksalsschläge dazu, können die Kraftreserven einer Familie auch schnell erschöpft sein. Dies kann alle Familien betreffen. „Wir möchten Familien in besonderen Zeiten zu ihrer eigenen Kraft zurück verhelfen“, erklärt Anna Brickmann aus dem KoKi-Team. In allen Kulturen sei es ursprünglich selbstverständlich, gerade in schwierigen Zeiten oder in sensiblen Lebensphasen, zusammenzustehen. Das habe über Jahrtausende hinweg das menschliche Fortbestehen gesichert. „Wir brauchen den sozialen Verbund wie eh und je – auch oder gerade in einer modernen, individualisierten Welt. Nicht umsonst heißt es im bewährten afrikanischen Sprichwort ,Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen!´“, appelliert Brickmann. Die Forschung weiß auch: Es ist ein Zeichen von Stärke und Widerstandsfähigkeit, sich Hilfe zu holen, wenn sie notwendig ist“. Eltern würden immer wieder an sich selbst zweifeln, wenn nicht alles so funktioniere wie sie es sich vorgestellt haben. Die Ansprüche an sich, rundum für eine optimale Versorgung des Kindes zu sorgen, seien oft hoch und entsprächen nicht dem, was eigentlich geleistet werden könne. Eltern müssten heute in dieser komplexen Welt lernen, sich mit ihren Kindern und sich selbst gegenüber wieder auf das Wesentliche zu besinnen. „Das Leben rund um die Geburt und mit kleinen Kindern fordert ebenso den Umgang mit dem Ungewissen und Unberechenbaren. Das sind wir oft nicht mehr so gewohnt. Wir möchten die Dinge im Griff haben. Das sorgt für Stress“, erklärt Volkmann. „Letztlich entscheidend für das weitere Leben ist eine sichere Bindung, das bestätigt auch die Hirnforschung. Achtsam die Bedürfnisse des Kindes und von sich selbst wahrzunehmen und im vielschichtigen Alltag klare Prioritäten zu setzen, mag ein Schlüssel für stabile Familienverhältnisse sein,“ fährt Jahn fort.

„Insbesondere freuen wir uns bei 10 Jahren KoKi auch über die Entwicklungen in der Netzwerkarbeit mit allen Fachkräften, die Familien mit Kindern in ihrem Berufsalltag begegnen. Familien zu erreichen und zu stärken, kann nur im gemeinsamen Verbund gelingen. Je besser wir frühzeitig belastete Familien erreichen, desto weniger benötigen wir Maßnahmen im späteren Kinderschutz. Auch das ist ein Aspekt von KoKi und den Frühen Hilfen“, resümiert Bernd Rickmann, der Leiter des Kreisjugendsamts.