Ich bleibe ein Wesen eigner Art – Therese Prinzessin von Bayern (1850–1925)

"Altbayern in Schwaben" heißt die Jahrbuchreihe des Landkreises, in der sich ehrenamtliche Autoren mit heimatgeschichtlichen Themen aus dem Wittelsbacher Land befassen. Während der Sommerferien stellen wir hier die zehn Artikel aus dem Band 2016 in Kurzbeiträgen vor.

Veröffentlicht am 04.09.2017
Ich bleibe ein Wesen eigner Art – Therese Prinzessin von Bayern (1850–1925)
Bild: © Michael Schmidberger – Porträt Therese von Bayerns in den Räumen der Akademie der Wissenschaften in der Residenz München

Ob sich Therese von Bayern vorstellen hätte können, wie selbstverständlich es für ihre Urgroßnichte sein würde, als Mädchen die gleichen Chancen zu haben wie ein gleichaltriger Junge? Für Dr. Auguste von Bayern, hundertdreißig Jahre später geboren als ihre Urgroßtante, war es selbstverständlich, das Gymnasium zu besuchen, sich frei für ein Studienfach zu entscheiden und eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Die an der Universität Oxford promovierte Zoologin forscht über die Intelligenz bei Rabenvögeln und setzt sich leidenschaftlich für die Einrichtung eines großen Naturkundemuseums als Pendant zum Deutschen Museum in München ein. Die Rolle der Frauen hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts glücklicherweise in allen Lebensbereichen gravierend verändert und viele Benachteiligungen gehören heute bereits der Vergangenheit an.

„Thereschen“, so wird sie von ihren Eltern genannt, wird am 12.November 1850 als Therese Charlotte Marianne Auguste als Tochter von Prinz Luitpold, dem späteren Prinzregenten, und seiner Frau Auguste Prinzessin von Toskana geboren.

Ihr Freiheits- und Bewegungsdrang ist immens, mit großer Leidenschaft widmet sie sich dem Reitsport, aber die höfische Etikette und die gültigen gesellschaftlichen Normen erlauben diese Ausbrüche nur partiell. Ihre Alternative sind Bücher. Sie hat eine unbändige Leselust und hohe Affinität zu Grammatik und Sprache. Es ist überliefert, dass sie als 10-jährige den scheidenden Hauslehrer Solereder bittet, ihr nochmals die Wiederholung der deutschen Grammatik zu ermöglichen. Hier legt sie – unbewusst – die Basis dafür, sich bei Bedarf, die für die nächste Reise notwendige Fremdsprache anzueignen. Am Ende ihres Lebens spricht sie acht Sprachen fließend.
Die brasilianischen Tropen sind ein Kindheitstraum, den sie sich 1888 erfüllt. Die Vision von Reisen in ferne Länder außerhalb Europas lässt sie nicht los und sie verbindet damit die Hoffnung, endlich unabhängig und frei von den höfischen Zwängen zu sein und verordnet sich diese Reisen auch als eine Art Therapie, um über die enttäuschte und aussichtslose Beziehung zu ihrem Vetter Otto hinwegzukommen. Brasilien ist ein Ziel, das vor ihr schon andere Wittelsbacher angesteuert haben.


Der komplette Beitrag von Dr. Margaretha Schweiger-Wilhelm ist erschienen im Band 2016 der Reihe „Altbayern in Schwaben“. Dieser ist im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt Aichach-Friedberg erhältlich. Dort gibt es auch Restbestände der vorhergehenden Jahrgänge.