Integration trifft Profifußball und Schule

Der Verein In Safe Hands führt an der Mittelschule Aindling ersten Schuldialog im Landkreis Aichach-Friedberg rund um das Thema "Flucht" durch

Veröffentlicht am 05.12.2017
Integration trifft Profifußball und Schule
Flüchtlingsboot in der Schulturnhalle. Jonas Ermes und Ahmad Almakad vom Verein in Safe Hands beleuchteten an der Mittelschule Aindling mit den 40 Sechstklässlern Fluchtursachen, Fluchtrouten und Menschenrechte (Bild: Annabell Fiebiger).

„Wir wollen heute nicht Fußball spielen sondern über Flüchtlinge reden.“ Jonas Ermes und Ahmad Almakad vom Verein in Safe Hands waren an die Mittelschule Aindling gekommen, um mit den 40 Schülerinnen und Schülern der sechsten Klassen in einem rund zweistündigen Programm Fluchtursachen, Fluchtrouten und Menschenrechte zu beleuchten. Dass FCA-Torwart Andreas Luthe an dem Tag doch nicht mit dabei sein konnte, war nach wenigen Minuten vergessen.

Bürgermeister Tomas Zinnecker, Claudia Genswürger vom Schulamt, Petra Kampa von Unicef, Petra Bachmeier von der Gemeinde Affing und Eva-Maria Teebken vom Bildungsbüro des Landkreises verfolgten den spannenden Dialog, der sich zwischen den begeisterten Schü-lerinnen und Schülern und Jonas Ermes entwickelte. Was der Unterschied zwischen Binnen-flüchtlingen und Flüchtlingen ist, konnten einige Schülerinnen und Schüler erklären. Und auch bei der Frage, aus welchen Ländern die meisten Menschen derzeit flüchten, streckten sich die Finger in die Höhe. Dass die Hauptaufnahmeländer von Flüchtlingen jedoch jenseits der europäischen Grenzen liegen, verwunderte viele dann doch.

Dialogorientiert baute Ermes einen engen Draht zu den Schülerinnen und Schülern auf. Einer der neuzugewanderten Schüler der sechsten Jahrgangsstufe berichtete offen von seiner Flucht und den mehrmaligen Überfahrtsversuchen von der Türkei nach Griechenland.

Von seiner eigenen Route von Damaskus nach Deutschland berichtete auch Ahmad Almakad, einer der Zeitzeugen, die In Safe Hands zu den Schuldialogen begleiten. Auf dem Boden der Turnhalle zeigte ein dickes Seil den Umriss eines Schlauchboots, in dem die Schülerinnen und Schüler Platz nahmen und den Erzählungen von Almakad über seine Route über den Libanon, die Türkei und Griechenland lauschten. Die Kinder waren von den geschilderten Erlebnissen sehr beeindruckt und wollten wissen, wie der junge Syrer auf so engem Platz zu Recht ge-kommen ist. Platzangst hatte Almakad nicht, wie er den Kindern versichern konnte.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieser direkte Kontakt Flucht greifbarer macht!“, erklärt Ermes. Michelle und Nicole konnten nach dem Schuldialog ihre Namen auf Arabisch in der Hand halten: „Ich kann jetzt anders nachvollziehen, was so eine Flucht bedeutet“, erklärte Nicole.

Ein respektvolles Miteinander über politische Bildungsarbeit und Integration durch Sport zu fördern, das war ein Hauptanliegen von Ermes und Luthe, als Sie 2015 den Verein In Safe Hands gründeten. Sie wollen über gängige Vorstellungen zum Thema Flucht ins Gespräch kommen und auf weitere Perspektiven im Bereich Menschenrechte aufmerksam machen. Auch in ihrem offenen Fußballangebot Fremd wird Freund kommen Jugendliche wöchentlich auf Fußballplätzen in Augsburg zusammen. Ehrenamtliches Engagement aus dem Profifußball heraus, das ist selten und wird vielleicht bald mit dem internationalen Peace and Sport Award prämiert.  

Im Augsburger Raum nimmt die Nachfrage stetig zu. Die Mittelschule Friedberg ist schon bereit für den nächsten Schuldialog.



Info „In safe hands“:
In safe hands e.V. wurde im September 2015 von den beiden Profitorhütern Andreas Luthe (FC Augsburg) und Jonas Ermes (ehemals VfL Bochum) gegründet. Der Verein möchte mit Hilfe des Fußballs, Brücken bauen, die Menschen aller Nationalitäten verbinden. Dazu entwickelt er Projekte, bei denen sich Kinder verschiedenster Herkunft begegnen und kennenlernen. Link: www.insafehands.de