Pressereihe „Besondere Zeiten gemeinsam meistern“

Der Aichacher Kinderarzt Dr. Thomas Wagner berichtet von seinen Eindrücken und Empfehlungen in der aktuellen Corona-Situation.

Bild (© Andrea Bihler): Dr. Thomas Wagner, Dr. Thomas Bihler, Dr. Maximilian Dietrich, Mayer Melanie, Vanessa Gschoßmann, Eleonore Knopp, Jutta Müller

Der Aichacher Kinderarzt Dr. Thomas Wagner berichtet in einem Gespräch mit der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKi) – Netzwerk frühe Kindheit des Kreisjugendamtes Aichach-Friedberg von seinen Eindrücken und Empfehlungen in der aktuellen Corona-Situation. Kinder- und Jugendärzte aus der Region sind weiterhin verlässliche Ansprechpartner für die Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Dies kann, neben den weiterhin wesentlichen persönlichen Vorstellungen in den Praxen, Fachambulanzen und Kliniken, auch über telefonische Kontakte und teilweise Videosprechstunden angeboten werden.

Der Alltag von Kindern und Jugendlichen hat sich besonders drastisch verändert. Die drei sozialen Lebensbereichen Familie, Schule und Freundeskreis sind durch die Pandemie stark eingeschränkt und verändert. Quer durch alle Schichten haben die Belastungen zugenommen. „Von den häufig benannten Verhaltensauffälligkeiten, psychischen und körperlichen Störungen sehen wir bisher relativ wenig, allerdings sind viele Kinder in den letzten Monaten in der Praxis nicht vorstellig geworden. Die Kinder sind quasi vom kinderärztlichen Radar verschwunden“, so Dr. Wagner. Die Belastungen für Familien sind vielfältig, das steht außer Frage. Durch den Ausfall von Schule und Kindergarten, Freizeitangeboten und sportliche Aktivitäten, mitunter schlechterer Ernährung und vermehrtem Medienkonsum beobachten die Kinderärzte eine Zunahme von Übergewicht, Schulleistungsproblemen und Anpassungsstörungen, die Kliniken berichten von komplizierteren Verläufen durch verzögerte Vorstellungen. „Sorgen macht uns Kinderärzten auch der Ausfall präventiver Maßnahmen wie Impfungen, Vorsorge- und Schuleingangsuntersuchungen, spezifischer Therapien und Förderungen“, so Wagner weiter.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-Pandemie scheinen vor allem aus der Perspektive der Erwachsenen gedacht. Kinder sind grundsätzlich empfänglich für SARS-CoV-2 und können das Virus übertragen. Entsprechend dem RKI entfallen ca. 3 % aller registrierten Infektionen auf Kinder und Jugendliche, kleine Kinder werden weniger infiziert und übertragen das Virus seltener weiter. Kinder infizieren sich vor allem außerhalb von Kindergarten und Schule, erkranken nur sehr selten schwer und zeigen auch bei den neuen Virusvarianten keine komplizierteren Verläufe. „Die besonderen Belastungen der Familien und Kinder sollten gewürdigt und im Blick behalten werden“, betont Dr. Wagner. Dieses unstreitbare Anliegen deckt sich mit der aktuellen Mitteilung des Bayerischen Sozialministeriums. „Wir dürfen Bayerns Kinder und Jugendliche nicht aus dem Blick verlieren. Denn sie sind von den Einschränkungen besonders betroffen. Deswegen wollen wir die Vorstellungen und Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen in allen Bereichen noch stärker berücksichtigen und ein Bündel an Maßnahmen zu ihrer Unterstützung auf den Weg bringen,“ so Bayerns Familienministerin Carolina Trautner in Ihrem Newsletter Februar 2021. Das Sozialministerium kündigt darin an, gemeinsam mit dem Kultusministerium und weiteren Ressorts ein Konzept zu erarbeiten, wie Kinder und Jugendliche durch zusätzliche Maßnahmen bei der Bewältigung der Auswirkungen der Pandemie noch stärker unterstützt werden können.
Hilfestellungen für Familien sind auch auf der Internetseite des Staatsministeriums umfassend zusammengestellt (https://www.stmas.bayern.de/coronavirus-info/corona-familien.php).

Was können Eltern tun, um ihre Kinder im Umgang mit der aktuellen Situation zu begleiten und zu stärken? Hr. Dr. Wagner erläutert, dass sich Kinder in ungewohnten Situationen noch stärker als sonst am Verhalten der Eltern orientieren. Gemeinsam mit seinen Praxiskollegen möchte er Familien folgende Empfehlungen mit auf den Weg geben:

  • Prüfen Sie als Eltern immer wieder wie es Ihnen selber gerade geht. Was hilft Ihnen zu entspannen, Kraft zu tanken, wem können Sie sich anvertrauen?
  • Bleiben Sie mit Ihren Kindern im Gespräch über das aktuelle Pandemie-Geschehen. Dazu können Sie auch Bücher nutzen, die dabei helfen das Pandemie-Geschehen kindgerecht zu erklären. (z.B. „Conni macht Mut in Zeiten von Corona“; „Wo ist dein Lächeln?“)
  • Setzen Sie sich mit fortschreitendem Alter der Kinder/Jugendlichen auch kritisch mit Gerüchten oder reißerischen Darstellungen in den sozialen Medien und im Internet auseinander.
  • Schaffen Sie für Ihre Kinder und auch für sich „Medien-freie“ und „Corona-freie“ Zeiten.
  • Begleiten Sie Ihre Kinder bei einem bewussten Umgang mit den Medien und dem Medienkonsum.
  • Motivieren Sie Ihre Kinder zu viel Bewegung am besten an der frischen Luft. Kleine „Challenges“, bei denen man von Tag zu Tag versucht sich zu steigern wie z.B. Springseilsprünge, können sich zu einem Tagesritual entwickeln und der ganzen Familie Spaß machen.

Kontakt Dr. med. Maximilian Dietrich, Dr. med. Thomas Bihler, Dr. med. Thomas Wagner Krankenhausstr. 11 a 86551 Aichach Telefon: 08251 - 2831