Pressereihe: „Besondere Zeiten gemeinsam meistern!“

Die Evangelische Beratungsstelle der Diakonie Augsburg im Gespräch mit KoKi – Netzwerk frühe Kindheit

Bild (© Mira Glückler): Beate Wilsdorf (links) und Angelika Schlüter

Seit mehr als einem Jahr begleiten pandemiebedingte Einschränkungen unseren Alltag. „Viele Eltern stehen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Ungewissheit, wie lange der Lockdown noch andauern wird, auch die Unsicherheit, ob die Test- und Impfstrategie aufgehen wird, ist sehr kräftezehrend. Seit vielen Monaten arbeiten viele Eltern im Homeoffice und Kinder lernen zum Teil im Homeschooling. Dies ist für alle Familienmitglieder  anstrengend.“,  berichtet Beate Wilsdorf, Diplom-Sozialpädagogin und Beraterin an der Evangelischen Beratungsstelle in Augsburg.

Anfangs wurden die Einschränkungen des Lockdown von den meisten Menschen als wirkungsvolle Maßnahmen akzeptiert und der Zusammenhalt bei der gemeinsamen Kraftanstrengung wurde als wertvolle Unterstützung in der Krise erlebt. Durch die wiederholte Verlängerung des Lockdown jedoch spürten die Menschen eine zunehmende Unsicherheit, und die Perspektive darüber, wie es in Zukunft weitergehen soll, wurde zunehmend mehr ungewiss. Dadurch aber verstärkten sich in den letzten Wochen Ängste und Frustrationen. Rückzugstendenzen zum einen, aber auch mehr Widerstand gegenüber den Einschränkungen.

Das führt immer häufiger zu neuen Konflikten innerhalb der Familien oder im Freundeskreis. „In Zeiten von großer Belastung geht jeder ganz individuell mit den Stressfaktoren um. Konfrontiert mit den unterschiedlichen Bedürfnissen zeigen sich auf der Suche nach Lösungen und nach einem Ausweg aus einer Krise viele Differenzen, was oft heftige Auseinandersetzungen verursacht“, beschreibt Angelika Schlüter, Diplom-Psychologin an der Evangelischen Beratungsstelle die Probleme von Familien. „Anspannungen und Stress der letzten Monate stellen die Geduld und die Kompromissfähigkeit jedes einzelnen schwer auf die Probe.“

Die Abstandsregeln, das Tragen einer Maske und die Abnahme der persönlichen Kontakte zu Freunden und Verwandten lassen das Gefühl der Zusammengehörigkeit schwinden. Der fehlende Austausch mit Freunden, Kollegen und Verwandten erschwert es, den anderen in seinen Bedürfnissen zu spüren und richtig zu verstehen. Manches Unverständnis für das eigene Verhalten oder das des anderen, jetzt besonders auch mit Blick auf die Einhaltung oder Nachlässigkeit bezüglich der Verordnungen, wird nicht selten als Entfremdung erlebt und vergrößert die Distanz. „Es besteht wohl zur Zeit eine größere Gefahr, dass Beziehungen nicht nur gestört, sondern sogar auf Dauer abgebrochen werden“, fährt Schlüter fort.

„Positive Erfahrungen, freudvolle Begegnungen und schöne Erlebnisse mit anderen Menschen in der Natur wirken dagegen wie Schutzschilde gegen eine drohende Spaltung innerhalb der Familie oder des Freundes- und Bekanntenkreises“ fügt Wilsdorf hinzu.

Beide Familienberaterinnen geben Tipps zur Stärkung des Zusammenhalts und als Gegenmittel zur Perspektivlosigkeit:     

  • Bleiben Sie und Ihre Kinder im regelmäßigen Kontakt und im guten Austausch mit den wichtigen Menschen in und außerhalb der Familie, um nicht die Verbindung zu Ihnen zu verlieren. Auch über Telefon und Videochat oder über Briefe kann eine innige Verbindung gehalten oder kreativ neu belebt werden. Jede Kommunikation, auch auf Distanz, stellt Kontakt her und dieser Kontakt schafft Nähe.
  • Durch Nähe entsteht Gemeinsamkeit und diese stärkt das Wir-Gefühl. Verbringen Sie möglichst viel gute Zeiten miteinander z.B. durch gemeinsame Hobbys oder das (Wieder-)Entdecken von Brett- und Kartenspielen. Welche Aktivität haben Sie früher vielleicht mal ausgeübt?
  • Legen Sie im Zusammensein gemeinsame Regeln fest und halten Sie diese ein. Das gibt Orientierung und Verlässlichkeit.
  • Um regelmäßig neue Energie zu tanken, können Sie kleine Inseln der Erholung und Entspannung – zeitlich wie räumlich – als Kraftquellen einrichten. Lesen Sie einander aus Büchern vor, hören Sie Musik, treiben Sie Sport.
  • Erlauben Sie sich und Ihren Kindern, ab und zu allein zu sein. Zeit und Raum für Rückzug und für-sich-sein brauchen Kinder, Jugendliche und Erwachsene ebenso.
  • Schmieden Sie gemeinsam Pläne für Aktivitäten und lassen damit Vorfreude und Zuversicht entstehen, holen Sie sich Tipps und Anregungen von Freunden und Bekannten.

Kontakt: Evangelische Beratungsstelle, Diakonisches Werk Augsburg, Oberbürgermeister-Dreifuß-Str. 1, 86153 Augsburg, Telefon: 0821-597760, Email: eb@diakonie-augsburg.de        Online-Portal: www.onlineberatung-augsburg.de