Runder Tisch „Häusliche Gewalt“ im Landratsamt

Unter anderem wurde das Thema Cyber Mobbing behandelt

Veröffentlicht am 22.11.2019
Runder Tisch „Häusliche Gewalt“  im Landratsamt

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist leider alltäglich. Gewalt gehört oft zur unmittelbaren Lebenserfahrung von Frauen und Kindern. Gewalt ist meist der Auslöser für jahrelange Ängste, Depressionen, Schuldgefühle und den Verlust des Selbstwertgefühls bis hin zur Selbstverachtung und Einsamkeit.

Gewalt macht auch vor den Türen in unserem Landkreis nicht Halt!

Der Einladung von Beate Oswald-Huber, Gleichstellungsbeauftrage für den Landkreis Aichach-Friedberg, sind zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichen Einrichtungen gefolgt. Ein Runder Tisch zum Thema Häusliche Gewalt findet in regelmäßigen Abständen im Wittelsbacher Land statt.

Im Vordergrund stehen dabei vor allem der Austausch, die Vernetzung sowie eine intensivere Zusammenarbeit aller betroffenen Fachstellen, die mit dem Thema Häusliche Gewalt (direkt oder indirekt) zu tun haben.

Ein regelmäßiger Austausch über die Tätigkeiten und Erfahrungen der Fachstellen ist notwendig, um die Situation im Landkreis herauszuarbeiten und Schnittstellen in der Zusammenarbeit besser zu vernetzen.

Besonders wichtig ist der regelmäßige Austausch auch deshalb, weil die Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Aichach-Friedberg größtenteils an Einrichtungen in der Region/im Großraum Augsburg angegliedert sind, d.h. Einrichtungen wie VIA Wege aus der Gewalt – Beratungsstelle, Wildwasser e.V., Frauenhaus Augsburg, Weißer Ring e.V. usw. haben ihren Sitz nicht im Wittelsbacher Land, übernehmen aber die Betreuung der Betroffenen aus dem Landkreis (der Landkreis ist jedoch finanziell beteiligt). Es geht also auch darum, auf überregionaler Ebene die Zusammenarbeit zu stärken.

 

Situation allgemein:

Opfer von Partnerschaftsgewalt sind zu über 82 Prozent Frauen. Fast die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Das zeigt eine aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) aus 2017. Demnach wurden insgesamt 138.893 Personen erfasst, die Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden. Knapp 113.965 Opfer waren weiblich.

Eine repräsentative Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2004 hat u.a. ergeben:

  • 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle und frühere Beziehungspartner erlebt
  • 42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror
  • Je nach Gewaltform haben 56% bis 80% der Betroffenen psychische Folgebeschwerden davongetragen (Schlafstörungen, Depressionen, Ängste etc.)
  • 37% der von körperlicher und 47% von sexueller Gewalt Betroffenen haben mit niemanden darüber gesprochen; der Anteil ist noch höher, wenn der Täter der aktuelle oder frühere Beziehungspartner ist

Wie stellt sich die Situation im Landkreis Aichach-Friedberg dar?

Aus dem Landkreis sind die Polizeiinspektionen Aichach und Friedberg, das Familiengericht, sowie die entsprechenden Fachstellen im Landratsamt vertreten: Sachgebiet 24, Besondere Soziale Angelegenheiten, Sachgebiet 30 Öffentliche Sicherheit und Ordnung, SG 23 Jugendamt (KOKI) sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Beate Oswald-Huber. Besonders letztere ist oftmals die erste Ansprechpartnerin für Opfer häuslicher Gewalt.

Tanja Rieß berichtet aus dem südlichen Landkreis (PI Friedberg) über eine leichte Zunahme von häuslicher Gewalt. Im Bereich von Nachstellungen gibt es bereits 20 Fälle in diesem Jahr. Aus dem nördlichen Landkreis (PI Aichach) erfahren wir von Anja Lunglmeir keine spürbare Zunahme an Delikten, allerdings des Öfteren Übergriffe im Rahmen von Mietstreitigkeiten. Im Gleichstellungsbüro sind im vergangen Jahr elf telefonische Beratungsanfragen eingegangen und drei Frauen waren zum persönlichen Gespräch im Landratsamt. „Ich nehme mir Zeit für die Frauen, bin in diesem Moment „Kummerkasten“ und bestärke sie darin, sich im akuten Fall an die Polizei zu wenden und/oder eine Beratungsstelle aufzusuchen“, so Beate Oswald-Huber.

 

Stalking und Cyberstalking

Stalking beschreibt das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen. Beim Cyberstalking findet die permanente Kontaktaufnahme oder der Identitätsmissbrauch in Netz, wie zum Beispiel per E-Mail, WhatsApp oder in den sozialen Netzwerken statt. Betroffen von Stalking sind zu 90 Prozent Frauen. Es ist ratsam eine oder mehrere Vertrauenspersonen von den Vorfällen in Kenntnis zu setzen. Die Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle wird dringend empfohlen, ebenso die Meldung an die Polizei. Stalking und Cyberstalking („Nachstellung“) ist laut StGB § 238 eine Straftat. Betroffene haben das Recht diese Straftat anzuzeigen und das Recht auf Schutzanordnung.

 

Hier finden Sie Hilfe:

 

Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Aichach-Friedberg

Das Gleichstellungsbüro bietet Frauen und Mädchen, die mit Gewalt konfrontiert werden und Hilfe suchen, Beratung und Hilfestellung. Sie kann auch Kontakte zu wichtigen Stellen vermitteln, die bei diesen Problemen Hilfen anbieten.

Beate Oswald-Huber, Landratsamt

Münchner Str. 9, 86551 Aichach

E-Mail: gleichstellung@lra-aic-fdb.de

Telefon 08251/92-244  (Donnerstag)

oder 08251/92-445

 

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Bundesweite, kostenlose telefonische Beratung rund um die Uhr. Bei Bedarf Beratung in verschiedenen Sprachen.

 

Polizeiinspektion Aichach

Stadtplatz 41, Telefon 08251/8989-0 oder Notruf 110

 

Polizeiinspektion Friedberg

Haagstr. 16, Telefon 0821/323-1710 oder Notruf 110

 

Beauftragte der Polizei des Polizeipräsidiums Schwaben - Nord

für Frauen und Kinder

Egal, ob die Gewalt körperlich oder seelisch wirkt, ob sie durch Fremde oder innerhalb der Familie verübt wurde, Opfer von Stalking und Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Gögginger Str. 43, 86159 Augsburg, Frau Rochel, Telefon 0821/323-1311

 

Frauenhaus Augsburg

Das Frauenhaus ist eine Einrichtung, die Schutz und Sicherheit bietet für von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen und deren Kinder. Die Frauen werden dort von Fachpersonal beraten - auch ambulant. Rosenaustr. 38, 86150 Augsburg, Telefon 0821/229 00 99

 

Via – Wege aus der Gewalt

Betroffene erhalten „rund um die Uhr“ telefonische und auch persönliche Beratung bei Gewalt in der Familie, psychischer und physischer Gewalt und bei Stalking. Im Bereich der häuslichen Gewalt erhalten die Opfer Schutz- und Sicherheitsberatung nach dem Gewaltschutzgesetz.

Karlstr. 5, 86150 Augsburg, Telefon 0821/6502670

 

Wildwasser Augsburg e. V.

Wildwasser ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zur Zielsetzung gemacht hat, Mädchen und Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind bzw. waren, Hilfestellung zu bieten. Wildwasser bietet Selbsthilfegruppen für Mädchen u006Ed Frauen an.

Schießgrabenstr. 2, 86150 Augsburg, Telefon 0821/15 44 44

 

Der weiße Ring

Der weiße Ring steht allen Opfern und Betroffenen von Straftaten zur Seite und hilft bei der Bewältigung der Tatfolgen. Die Hilfe des weißen Rings ist weder an eine Mitgliedschaft noch an sonstige Verpflichtungen gebunden. Wenn Sie Opfer einer Straftat werden und Hilfe suchen.

Landesbüro Bayern-Süd, Telefon 09078/89494 oder 0151/55164810