Umweltpreis des Landkreises vergeben

Der Umweltpreis 2016 des Landkreises Aichach-Friedberg geht an den Markt Kühbach für die Renaturierung des Schreierbachs in Unterbernbach sowie an Josef Niedermaier aus Ottmaring für die Entwicklung europaweit erfolgreicher Maschinen zur biologischen Unkrautbekämpfung und Bodenbearbeitung.

Veröffentlicht am 01.08.2017
Umweltpreis des Landkreises vergeben
Nach der Preisverleihung in der Sparkasse in Friedberg (v. l.): Landrat Dr. Klaus Metzger, die Preisträger Josef Niedermaier aus Ottmaring und Bürgermeister Hans Lotterschmid (für den Markt Kühbach), der Stifter des Preises Heinz Arnold aus Kissing und Rolf Settelmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Augsburg; © Landratsamt Aichach-Friedberg.

Bei der Preisverleihung im Sparkassengebäude in Friedberg dankte Landrat Dr. Klaus Metzger dem Stifter des Preisgeldes, Heinz Arnold aus Kissing, und gratulierte den Preisträgern! Er hob hervor: „Das breite Spektrum des Umweltschutzes lebt immer wieder vom Engagement des Einzelnen, am besten aber vom Engagement vieler für das Gleiche.“

Den Festvortrag zum Thema „Unser Planet – ein Geschenk“ hielt Professor Dr. Armin Reller,  seit 2009 Inhaber des Lehrstuhls für Ressourcenstrategie an der Universität Augsburg und zudem Vorstandssprecher des Wissenschaftszentrums Umwelt.


Aus der Laudatio des Landrats an den Markt Kühbach:

„Die Unterhaltung und der Ausbau von kleineren Gewässern obliegen den Gemeinden. Dabei ist das Ziel, die Gewässer in einen „Guten Zustand“ nach den Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu versetzen oder zu erhalten. Trotz dieser gesetzlichen Pflicht mangelt es den Gemeinden angesichts tagespolitischer Herausforderungen oder anderer gemeindlicher Schwerpunkte meist an Kräften, Mitteln und vielleicht auch an der Motivation, diese Aufgabe anzugehen.

Der Markt Kühbach hat genau in dieser Pflicht eine Chance gesehen.
Mit der Renaturierung des Schreierbaches, nördlich von Unterbernbach, begegnete der Markt den Nachwirkungen der Begradigung des Baches in 1936. Das schnurgerade Gewässer bot einen freudlosen Anblick ohne Struktur. Vor allem aber fehlt es an der Durchgängigkeit für aquatische Lebewesen, da Querbauwerke die Sohle stützen mussten.

Dabei sind intakte Fließgewässer – also etwa ein Bach – einschließlich ihrer Randstreifen, Uferzonen und Auen haben in der Landschaft für natürlich vorkommende Tier- und Pflanzenarten eine besondere Bedeutung als Lebensstätten und Biotope. Sie erfüllen auch eine Vernetzungsfunktion. Und: Naturnah renaturierte Flussland-schaften sind für das Naturerleben und den Naturgenuss eine Bereicherung.

Völlig zurecht loben die Fachleute vom Wasserwirtschaftsamt in Donauwörth dieses Projekt in den höchsten Tönen – von dort heißt es unter anderem: „Mit der Neuanlage des Baches in einem naturnahen Verlauf sind nun wieder „morphologische Varianzen“ im Gewässer entstanden, die insbesondere für die Biodiversität extrem wertvoll sind. Der Markt hat ein „Tor des ökologischen Verbundes“ vom FFH-Gebiet Paar in den Schreierbach geschaffen, das durch das Schleifen von drei Abstürzen nun auch für die Bewohner des Baches durchwanderbar ist. Als Strahlursprung einer gesunden Gewässerökologie wird der 180 Meter lange Abschnitt weit über den eigentlichen Ausbau hinaus wirksam.“

Lieber Herr Bürgermeister, lieber Herr Brugger, insofern ist die Renaturierung des Schreierbaches bei Unterbernbach zweifellos als vorbildlich einzustufen.

Und – neben den genannten positiven naturschutzfachlichen und wasserwirtschaftlichen Auswirkungen – soll diese Vorbildwirkung der Schreierbach-Renaturierung durch diese Auszeichnung zusätzlich gestärkt werden und ggf. weitere solche Initiativen generieren.
Die Jury hat entschieden diese beispielhafte Maßnahme als einen von zwei Preisträgern mit dem Umweltpreis 2016 des Landkreises Aichach-Friedberg auszuzeichnen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lotterschmid,
der Umweltpreis des Landkreises für die Renaturierung des Schreierbachs, dieses äußerst gelungene, ja mustergültige Projekt, ist eine wahrlich verdiente Auszeichnung dafür.
Herzlichen Glückwunsch im Namen des Landkreises Aichach-Friedberg an Sie und an alle, die zum Gelingen dieses Vorzeigeprojektes beigetragen haben – eine ganze Reihe an Personen und Institutionen!

 


Aus der Laudatio des Landrats an Josef Niedermaier aus Ottmaring:

Josef Niedermaier aus Ottmaring ist Biolandwirt seit den frühen 70er Jahren. Als Pionier und Vordenker des ökologischen Landbaues war er östlich von Augsburg einer der ersten, die damals schon „Bioland“ beigetreten sind. Heute ist er weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt und das hat in erster Linie damit zu tun, dass er als Biolandwirt „nah am Boden“ (im doppelten Sinn) ist und er sich als solcher nicht damit zufrieden geben wollte, regelmäßig einen gewissen Anteil „Beikraut“ mit zu ernten.

Die Geräte, die es bis dahin gab waren zu starr. Deshalb tüftelte er und entwickelte den Unkrautstriegel. Der ist wie ein Kamm, nur passt sich jeder Zinken an den Boden an. Den Prototyp des Unkrautstriegels als Patent anzumelden, hatte jedoch zunächst keinen Erfolg.
Einige Jahre später gelang es Ihnen, anlässlich einer Betriebsbesichtigung auf Ihrem Hof, die Firma Treffler aus Echsheim (Paul Treffler ist heute anwesend) auf sich aufmerksam zu machen. Und schon bald darauf ging diese mit dem „Unkrautstriegel“ in Produktion. Nach wie vor erweist sich dieses Gerät als genial, auch große Firmen hatten sich zuvor an solchen Lösungen versucht und es nicht hinbekommen. Josef Niedermaier ist ein Praktiker und Tüftler und als Biolandwirt hoch anerkannt, liegt ihm die ökologische Bodenbearbeitung am Herzen! So hat er auch über Jahrzehnte aktiv in der Landschaftspflege mitgearbeitet und besonders schwierige Pflegeflächen mit seinem technischen Know-how und seinem Gespür für schwierige Bodenverhältnisse fachgerecht gepflegt.   

Doch mit der Erfindung des Striegels ist die Geschichte ja nicht zu Ende: Im Jahr 2007 entwickelte Herr Niedermaier einen zweiten Prototypen für die Unkrautbekämpfung im biologischen Landbau, einen „Grubber“, und 2011 baute er die „Federzahnegge“. Beide Geräte wer-den ebenfalls von der Firma Treffler mit großem Erfolg, über ein Netz renommierter Biobauern, vertrieben und europaweit verkauft. Die Firma Treffler expandierte, macht mittlerweile die Hälfte ihres Umsatzes mit den von Josef Niedermaier entwickelten Landmaschinen. Waren es im Jahr 2005 noch insgesamt sechs verkaufte Striegel, verlässt in wenigen Wochen  der 320. Striegel nur für das Jahr 2017 das Trefflersche Firmengelände.

Die Maschinen werden heute in ganz Europa verkauft, der Striegel mittlerweile sogar nach Neuseeland und in die USA. Fest steht: Für den ökologischen Landbau sind sie wahre Meilensteine, sie arbeiten drei- bis viermal so effektiv wie herkömmliche Unkrautbekämpfungsgeräte: Mehr Geräte braucht der Biobauer nicht und sie sind auch für die konventionelle Landwirtschaft eine echte Alternative zur chemischen Beikrautregulierung.
Wir alle – oder zumindest diejenigen unter uns, die bislang nicht selbst im ökologischen Landbau gearbeitet haben – fragen uns jetzt, lieber Herr Niedermaier, „wie funktionieren diese außergewöhnlichen Maschinen?“
Nun – Herr Niedermaier hält auch Vorträge zu unter-schiedlichen ökologischen Themen. Eine Anfrage für den Vortrag bei der Umweltpreisverleihung im kommenden Jahr haben wir bereits bei ihm hinterlegt. Heute freuen wir uns darauf, dass er gleich anschließend – wenn auch nur in Kurzform – das Wesentliche zu den von ihm entwickelten Geräten erläutert.
Die Jury ist jedenfalls völlig zurecht der Ansicht, dieses Engagement, gepaart mit diesem außergewöhnlichen Erfindergeist, den Umweltpreis des Landkreises Aichach-Friedberg verdient hat!

Sie, lieber Herr Niedermaier haben es geschafft, sich als erfolgreicher Biolandwirt und Maschinenbauer große Anerkennung und großen Respekt bei der gesamten, sowohl ökologisch, wie auch konventionell arbeitenden Landwirtschaft zu erarbeiten. Es besteht kein Zweifel, dass Ihre Arbeit in unserer Region herausragend ist. Sie tragen seit Jahrzehnten zu einer positiven Entwicklung im ökologischen Landbau und letztlich im Umweltschutz bei sowie zu einem guten Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz. Hierfür möchte ich Ihnen von Herzen danken und Ihnen den Umweltpreis des Landkreises 2016 überreichen.
Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Niedermaier, im Namen des Landkreises Aichach-Friedberg!