Von Engeln, die Vögel fangen – Kulturspuren im Wittelsbacher Land

Wanderausstellung derzeit an der Dasinger Schule.

Veröffentlicht am 13.04.2018
Von Engeln, die Vögel fangen – Kulturspuren im Wittelsbacher Land
Was genau hat es mit einem „Vogelherd“ auf sich? Aufmerksame Schülerinnen und Schüler bei der Ausstellung „Kulturspuren in der Landschaft“ an der Dasinger Schule (Bild: Landratsamt Aichach-Friedberg, Manuela Riepold).

Geschichte direkt vor Ort zu erklären und erlebbar machen, ist Ziel des Projekts „Kulturspuren in der Landschaft“. Dazu stehen insgesamt fünfzehn Informationstafeln zu unterschiedlichen Themen im ganzen Landkreis. In der Nähe von Dasing, bei Taiting, beispielsweise wird auf einer solchen erläutert, was ein „Vogelherd“ ist. Bis ins 19. Jahrhundert war der Vogelfang eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Adeligen und der reichen Leute. Außer mit abgerichteten Falken oder mit Hühnerhunden fingen die Jäger vor allem Kleinvögel mit Netzen. Hierzu wurden eigens kleine Hügel in Lichtungen aufgeschüttet, die sogenannten Vogelherde. Heute ist diese alte Methode des Vogelfangs selbstverständlich verboten. Übrigens: Die einst große Bedeutung des Vogelfangs in unserem Landkreis wird auch in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg deutlich. Wer genau hinschaut, kann am Hochaltar eine Engelsfigur entdecken, die ein Fangnetz für Lerchen in den Händen hält.

Im Auftrag des Landkreises Aichach-Friedberg hat für das Projekt die Universität Augsburg, Institut für Geographie, dafür die historischen Kulturlandschaftselemente sowie das kulturhistorisch bedeutsame Potential der Landschaft im Wittelsbacher Land erfasst und aufbereitet. Eine Wanderausstellung zum Projekt gastiert noch bis zum 20. April in der Grund- und Mittelschule in Dasing. Die Schüler der 3. Klassen haben sich bei der Ausstellungseröffnung, zu der sie auch Bürgermeister Nagl und Frau Patsch-Fesenmayr vom Heimatkundlichen Kreis Dasing e. V. eingeladen hatten, ausführlich von der Kreisfachberaterin Manuela Riepold unterrichten lassen. Interessenten können sich eine Landkreiskarte und Faltblätter, mit denen die bedeutendsten Kulturspuren aufgespürt werden können, zu den Unterrichtszeiten in der Schule abholen.

„Auf welch erfinderische Art und Weise die ersten Siedler sich die Landschaft zu eigen gemacht haben, ist dem Laien oft nicht bewusst“, so Manuela Riepold, die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege. Der Begriff „Kulturspur“ bezeichnet in der heutigen Landschaft erhaltene Elemente ehemaliger Landwirtschaft, der Baukultur, des Verkehrswesens oder des Gesellschaftslebens sowie alte gewerbliche Nutzungsformen. Diese, noch heute in der Land-schaft ablesbaren Spuren, sind Teil unserer Geschichte und zeugen vom Leben und Wirken unserer Vorfahren. Das Gebiet des heutigen Landkreises Aichach-Friedberg weist sowohl eine lange Besiedelungsgeschichte, als auch eine weit über 1000 Jahre zurückreichende landwirt-schaftliche Tradition auf. Eine Vielzahl vor- und frühgeschichtlicher Funde dokumentiert frühes menschliches Sein im Kreisgebiet. Die Eigenart der Landschaft, die sich in gebietsspezifischen Landschaftsbestandteilen und Landschaftselementen widerspiegelt, kennzeichnet unsere Hei-mat.