Vor 200 Jahren: 1816 – Das Jahr ohne Sonne

"Altbayern in Schwaben" heißt die Jahrbuchreihe des Landkreises, in der sich ehrenamtliche Autoren mit heimatgeschichtlichen Themen aus dem Wittelsbacher Land befassen. Während der Sommerferien stellen wir hier die zehn Artikel aus dem Band 2016 in Kurzbeiträgen vor.

Veröffentlicht am 25.08.2017
Vor 200 Jahren: 1816 – Das Jahr ohne Sonne
Foto: Museum im Wittelsbacher Schloss – Teuerungstafel mit dem Friedberger Rathaus von 1816/17.

Im Jahr 2015 spielte das Wetter verrückt: Zum ersten Mal in einem Januar wurden gleich an mehreren Orten über 20 Grad gemessen. Frostperioden waren im Winter dagegen eher selten. Die Temperatur markierte das ganze Jahr über neue Bestmarken. Die Landesmitte und der Süden litten im Jahr 2015 unter langen Dürreperioden, teilweise fiel nur die Hälfte des üblichen Jahresniederschlags. Den Frühling und Sommer prägten außerdem zahlreiche Unwetter, die mit großem Hagel, Orkanböen und sogar Tornados zum Teil verheerende Schäden anrichteten. Der Tornado vom Abend des 13. Mai 2015, der mit über 250 km/h eine Schneise der Verwüstung durch das Wittelsbacher Land schlug, 178 Gebäude schwer beschädigte und ganze Existenzen vernichtete, passt auch als Ausnahmeerscheinung ganz in eine Entwicklung, die – wie Forscher sagen – auf einen Klimawandel hindeuten, der auf den Menschen zurückzuführen ist. Und doch gibt es und gab es immer wieder Wetterextreme, für die der Mensch nichts kann, deren Ursachen anderweitig gesucht werden müssen. Vor allem das Jahr 1816 war ein solches Jahr, das aufgrund seines außergewöhnlichen Wetters und der daraus resultierenden Folgen als „Jahr ohne Sonne“, „Jahr ohne Sommer“ und „Achtzehnhundertunderfroren“ in die Geschichte einging.
Am 10. April 1815 ereignete sich auf der anderen Seite der Weltkugel auf der Java, Celebes und Flores benachbarten kleinen Insel Sumbawa in Indonesien der Ausbruch des Vulkans Tambora mit einer Intensität der Stufe 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex. Die Sprengkraft der Eruption wird auf 170 000 Hiroshimabomben geschätzt. Der Vulkanausbruch hatte weltweite Folgen.

Wie zeigt sich das Tambora-Ereignis im Wittelsbacher Land?
In der Literatur, aber auch vielen archivalischen Quellen des Wittelsbacher Landes wird auf die Hungerjahre 1816 und 1817 eingegangen, ohne aber die Ursachen zu kennen. Eine vielfach detaillierte Schilderung der Jahre 1816 bis 1818 hat der Bräu und zeitweilige Bürgermeister von Aichach Lorenz Aloys Gerhauser (1768–1837) hinterlassen, der nach seinen Kalenderaufzeichnungen der Jahre von 1799 bis 1836 kurz vor seinem Tod diese Aufzeichnungen unter dem Titel „Memoranda“ zusammengefasst hat. Über das Jahr 1816 schreibt er: „Die Monathe Jenner und Februar waren äusserst und stürmisch, von häufigen Schnee und abwechslenden Regen begleitet. Der Merz und April waren sehr kalt, und es gab viel Schnee. Auch der Monath May war fast durchgehends kalt und unfreundlich, mitunter hatte es auch starke Donnerwetter. Noch im Anfang des Monaths Junj war es so stürmisch und kalt, als sonst im tiefen Herbst. Im Monath Novembris legte es schon wider bey empfindlicher Kälte viellen Schnee. Das Jahr schloß sich aber mit nasser Witterung und dichten, ungesunden Nebeln. In diesem Jahr gab es schröckliche Hagelwetter und ausserordentliche Wassergüsse, wodurch insbesonders am 10. Junj in der Gegend von München, Augsburg, Ingolstadt, Pettmeß, dann am 17. Junj in der Gegend um Landshut unberechenbare Schäden angerichtet wurden. Am 23. July abends 6 Uhr bedrohte auch die hiesige Gegend ein förchterliches Donnerwetter, wobey es schon entsezlich große ungestaltete Mauerbrocken ähnliche Steine warf, und Feld und Gebäude zu zerschmettern drohte.“

Der komplette Beitrag von Dr. Hubert Raab ist erschienen im Band 2016 der Reihe „Altbayern in Schwaben“. Dieser ist im örtlichen Buchhandel oder im Landratsamt Aichach-Friedberg erhältlich. Dort gibt es auch Restbestände der vorhergehenden Jahrgänge.