Altbayern in Schwaben 2017

Inhaltsverzeichnis

Dr. Fabian Gall
Oberbaar im Frühmittelalter: Ein archäologischer Beitrag aufgrund neuer Grabfunde
Helmut Rischert
Das Schloss Haslangkreit und die Herren, Freiherren und Grafen von Haslang
Bettina Brühl M. A.
Birgitta von Weichs, geb. von Schellenberg (1517-68), die vergessene Stifterin der jährlichen Fleischspende an Arme in Dasing, Harthausen und Wessiszell
Prof. Dr. Wilhelm Liebhart
Friedberg im Klosterprozess Herzog Ludwigs VII. von Bayern-Ingolstadt
Dr. Hubert Raab
Die Friedberger Ach – Geschichte und Nutzung
Dr.-Ing. Konrad Cremer
Zur Wasserversorgung von Aichach um 1800 – Ignaz Hagn und sein Ortsplan von 1767
Michael Schmidberger
Displaced Persons – Fremdarbeiter, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs in den Altlandkreisen Aichach und Friedberg
Josefa und Hans Demmel
Die wildwachsenden Orchideen im Landkreis Aichach-Friedberg

Leseprobe

Dr. Fabien Gall - Oberbaar im Frühmittelalter. Ein archäologischer Beitrag aufgrund neuer Grabfunde.

In Oberbaar war es durch archäologische Grabungen bei der der Erschließung eines neuen Baugebietes möglich Forschungslücken zu schließen.

Gefunden wurde ein Grab in dem ein etwa 20-jähriges, männliches Individuum mit einer Körperhöhe zwischen 1,75 m und 1,84 m beerdigt war. Bestimmte auffällig ausgebildete Muskelmarken weisen darauf hin, dass der Mann Rechtshänder gewesen war und den rechten Arm schon in seinen jungen Jahren sehr häufig in der Weise bewegte, wie es ein Speerwerfer oder Schwertkämpfer macht. Sehr auffällig sind vier unverheilte Hiebverletzungen am Schädel. Die ersten beiden Hiebverletzungen überlagern sich und befinden sich auf dem Schädeldach. Der erste Hieb hat den Schädel gespalten, der zweite, etwas kürzere, dann einen Teil des Schädeldachs regelrecht herausgesprengt. Das führte außerdem auf der Schädelinnenseite dazu, dass ein plättchenartiges Knochenstück herausbrach. Der mutmaßliche Gegner, der diese Schläge setzte, dürfte vor dem jungen Mann gestanden und mit der rechten Hand die Schläge mit voller Kraft ausgeführt haben. Als Hiebwaffe kommt ein Sax in Frage; wahrscheinlicher ist ein Schwertkampf.

Da die ersten beiden Hiebe möglicherweise nicht sofort tödlich waren, wollte der Gegner jedoch nach dieser anfänglichen Attacke sicher gehen, dass die Auseinandersetzung tatsächlich tödlich endete und schlug nochmals zu. Die beiden letzten, mit Sicherheit tödlichen Hiebe trafen den jungen Mann am linken Hinterkopf und führten schließlich dazu, dass das gesamte linke Schläfenbein und ein Abschnitt des Schädels abgetrennt wurden. Dieses brutale Ende eines jungen „Ur-Baarers“ dürfte insgesamt auf gewalttätige Auseinandersetzungen hindeuten, die nicht in der Ferne, sondern womöglich in der unmittelbaren Region stattfanden.

Ähnliche Anzeichen einer gewaltbereiten und kriegerischen Gesellschaft sind inzwischen sehr häufig im Zuge von anthropologischen Untersuchungen frühmittelalterlicher Skelettserien beschrieben worden. Die historiographische Überlieferung berichtet einerseits vom damals allgegenwärtigen Phänomen der Fehde, auch Rache oder Blutrache, aber auch von Bruderkriegen und insbesondere im ausgehenden 7. und im 8. Jahrhundert von rivalisierenden Adelsgruppen, die um die Macht im Merowingerreich kämpften.