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Kommunen können wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten

13.07.2022

Schulung zur insektenfreundlichen Mahd stößt auf großes Interesse

Bild (© Angela Rieblinger, LPV): Vorstellung verschiedener Balkenmäher. Bei der Mahd mit dem Doppelmesserbalken werden die Halme nicht gequetscht und es entsteht auch keine Sogwirkung, sodass der Großteil aller Tierarten den Vorgang unverletzt übersteht.

Dass das Thema Brisanz hat, zeigte schon die große Zahl an Vertretern der Kommunen und Entscheidungsträgern, die sich kürzlich in Aichach einfanden. Dort hatten der Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg (LPV) in Kooperation mit der Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, Manuela Riepold, zur Veranstaltung „Mahd im öffentlichen Grün – effektiv, insektenfreundlich und biodiversitätsfördernd“ geladen. Auf dem Programm standen neben Fachbeiträgen zur Mähgutverwertung sowie zur Mahd- und Maschinentechnik auch eine Maschinenvorführung.

In Bayern sind fast die Hälfte aller heimischen Insekten in unterschiedlichem Maße in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben. Hauptursache ist der Verlust wichtiger Nahrungs- und Fortpflanzungsplätze. Circa 3500 Insektenarten haben ihren Hauptlebensraum im Grünland. Mit mehreren Millionen Quadratmetern an Grünflächen in Bayern können Kommunen daher einen enormen Beitrag zum Erhalt der Insekten leisten. Denn ökologisch gestaltete kommunale Grünflächen sorgen für ein gesundes Lebensumfeld, ein besseres Kleinklima und bieten vielen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum.

Bisher wird aber erst ein kleiner Teil dieses Potentials ausgeschöpft. Grund sind insbesondere insektenunfreundliche Mähtechniken wie das Mulchen. Manuela Riepold empfiehlt die Faustregel „Nicht zu oft, nicht zu ordentlich, nicht zu tief, nicht alles mähen“. Denn oftmals wird in Parkanlagen, auf Friedhöfen und an Straßenrändern fünf bis sechsmal im Jahr gemäht. Ein solcher „Golfrasen-Bestand“ ist für die meisten Tier- und Pflanzenarten jedoch absolut lebensfeindlich. Insekten wie Wildbienen und Tagfalter brauchen als Nahrung Pollen und Nektar. Damit diese Nahrungsquellen zur Verfügung stehen, müssen es die Pflanzen aber erst einmal bis zur Blüte schaffen. Für die Entwicklung eines blütenreichen Bestandes ist es deshalb wichtig, dass die Grünflächen nicht öfter als zwei- bis dreimal im Jahr gemäht werden. Zudem sollten, wenn möglich, Teilbereiche gar nicht oder später gemäht werden. Hintergrund ist die sehr spezielle Entwicklungsbiologie von Insekten, wie Christina Niegl vom LPV den Anwesenden erläuterte. So legen beispielsweise Heuschrecken oder Wildbienen ihre Eier in oder an den Halmen von Pflanzen ab; auch Tagfalterpuppen befinden sich dort. Wird die komplette Wiese gemäht, unterbricht dies den Entwicklungszyklus.

Neben der Mahdfrequenz und dem Belassen von Blühbereichen ist auch die Maschinenwahl bzw. der Fuhrpark einer Kommune ausschlaggebend für die Überlebensrate der Insekten. Vielerorts wird mit Aufsitzrasenmähern gemäht oder gar gemulcht. Hierbei tendiert die Überlebensrate von Kleinstlebewesen gegen null.

Ganz anders sieht es bei der Verwendung eines sogenannten Doppelmesserbalkens aus: Die Halme werden bei der Mahd nicht gequetscht und es entsteht auch keine Sogwirkung, sodass der Großteil aller Tierarten den Vorgang unverletzt übersteht. Die Technik wurde in den letzten Jahren – auch für den kommunalen Gebrauch – stark optimiert und verschiedenste Modelle entwickelt.

Diese konnten die Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer im Anschluss an die Fachbeiträge bei einer Maschinenvorführung im Kreisgut näher unter die Lupe nehmen. Namhafte Hersteller, aber auch Landwirte aus der Region stellten die wichtigsten Ausführungen, Trägerfahrzeuge und Anbaumöglichkeiten vor. Der Fokus lag hierbei auf der Mäh- und Abräumtechnik. So war von ferngesteuerten kleinen Raupenfahrzeugen über Mähbalken am Ausleger bis hin zum Schlepper mit Doppelmesserbalken alles dabei.

Das Angebot, die Möglichkeiten sowie die Kosten für die einzelnen Maschinen sind sehr unterschiedlich. Die Veranstaltung hat aber gezeigt, dass die Anschaffung einer insektenfreundlicheren Technik auch mit kleinerem Budget realisierbar ist.

Weitere Informationen gibt es bei Angela Rieblinger und Christina Niegl vom Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg und bei Manuela Riepold von der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege.

Als Expertenteam beraten der LPV und Manuela Riepold Kommunen im Rahmen des „Blühpakt Bayern“ hinsichtlich der ökologischen Anlage und Pflege kommunaler Grünflächen.