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Großer Andrang im Aichacher Cineplex

14.03.2024

„Die göttliche Ordnung“ – Weltfrauentag im Landkreis Aichach-Friedberg

Das Landratsamts-Team aus Gleichstellungsstelle und Bildungsberatung organisierte den Abend zum Weltfrauentag im Aichacher Kino (v. l.) Nicole Matthes, Beate Oswald-Huber, Jutta Schnitzlein.

Am Weltfrauentag, den 8. März, präsentierten die Gleichstellungsbeauftragten und die Bildungsberaterin des Landkreises gemeinsam den Film „Die göttliche Ordnung“ im Aichacher Cineplex. Über 70 Interessierte kamen, um den Film zu sehen und zu diskutieren.

Was heute selbstverständlich erscheint, war bis „vor Kurzem“ noch den Männern vorbehalten: Das Wahlrecht.
Bereits seit mehr als 100 Jahre wird an diesem Tag weltweit auf Frauenrechte, Gewalt gegen Frauen sowie die Gleichstellung der Geschlechter und Diskriminierung aufmerksam gemacht. Gleichstellungsbeauftrage Beate Oswald-Huber begrüßte gemeinsam mit Bildungsberaterin Nicole Matthes die zahlreichen Gäste im Kino. Oswald-Huber berichtete über die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland am 30. November 1918, viel früher als es in der Schweiz der Fall war. Sie legt den Fokus dann aber auf die Situation der Frauenrechte der Jetzt-Zeit. Im Sommer 2024 stehe die Europawahl an und im Herbst wird in drei Länderparlamenten in Deutschland gewählt. Darauf blickt sie mit großer Sorge, denn sie sieht die Gleichberechtigung und freie Selbstverwirklichung aufgrund aktueller politischer Entwicklungen erstmals wieder in Gefahr: „Lesen sie die Wahlprogramme, bevor sie ihre Stimme abgeben! Denn wer von uns will schon gerne zurück zu einem Familienbild aus der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Mann als Alleinversorger und der Frau am Herd?“ Oswald Huber findet deutliche Worte: „Ich will keine Antidemokraten an der Macht und ich bin gegen Rassismus und Menschenverachtung. Es geht um unsere Grund- und Frauenrechte!“

Dass es auch aktuell nicht überall gut gestellt ist um die Situation der Frauen wurde deutlich am Bericht aus der Beratungspraxis von Nicole Matthes. Über 95% der Klientinnen, die in die Beratung kommen, sind weiblich, viele darunter Wiedereinsteigerinnen. „Mutterschaft ist der Karrierekiller schlechthin“, so Matthes. Viele können ihre Position nicht mehr ausüben, weil es die Strukturen nicht zulassen. „Frauen fühlen sich nach der Elternzeit wie auf dem Abstellgleis, weil im Lebenslauf „Mutter“ steht“. Die Elternzeit ist eine Chance, den eigenen Weg zu überdenken und beruflich etwas Neues zu wagen, sich fortzubilden. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Mütter oft nicht die freie Wahl haben.“ Weiterbildungen in der Elternzeit werden nicht gefördert, Kinderbetreuung ist ein Problem. Sie landen in der Teilzeitfalle, verdienen weniger, werden weniger berücksichtigt bei Aufstiegspositionen. „Das Landratsamt geht wir hier mit gutem Beispiel voran, bietet viele verschiedene Teilzeitmodelle und wurde schon mehrfach als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet“, so die Gleichstellungsbeauftragte Beate Oswald-Huber.

Die Zielgruppe der Wiedereinsteigerinnen werde noch zu wenig beachtet, findet Matthes, dabei herrsche Fachkräftemangel. Die Bildungsberatung sei ein wichtiges Instrument, Frauen zu unterstützen bei Fragen rund um die Bewerbung, Weiterbildungsmöglichkeiten, finanzieller Förderung oder möglichen beruflichen Alternativen.
Im bestens gefüllten Kinosaal wurde schließlich „Die göttliche Ordnung“ gezeigt, ein berührender Film über die Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz 1971. Im Mittelpunkt steht Nora, eine junge Hausfrau und Mutter aus einem Dorf in Appenzell. Sie setzt sich für das Frauenwahlrecht ein und gewinnt schließlich selbst unter den „züchtigen“ Dorfdamen viele Mitstreiterinnen. Das positive Ergebnis eines langen Kampfes: In der Schweiz dürfen Frauen seit 1971 wählen. Der Film begeisterte das Publikum. „Berührend und inspirierend“, „unterhaltsam und spannend“, waren die Beschreibungen.
„Der Film hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wir müssen weiter kämpfen für mehr Gleichberechtigung“, so eine Besucherin. Im Anschluss an den Film wurde noch lebhaft diskutiert.

Informationen zur Bildungsberatung unter www.bildungsportal-a3.de
Infos zur Gleichstellungsstelle unter https://lra-aic-fdb.de/service/beratungsangebote/gleichstellungsstelle/

Bilder © Landratsamt Aichach-Friedberg, Beate Oswald-Huber