Runder Tisch gegen häusliche Gewalt

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31. März 2026

Runder Tisch gegen häusliche Gewalt

Gemeinsames Ziel: Gewalt erkennen, Betroffene besser schützen und Hilfsangebote weiter ausbauen

Häusliche Gewalt bleibt ein drängendes gesellschaftliches Thema – auch im Landkreis Aichach-Friedberg. Um Prävention, Hilfsangebote und Zusammenarbeit weiter zu stärken, luden die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Nicole Matthes und Jutta Schnitzlein am 26. Februar 2026 in das Landratsamt ein, zum „Runden Tisch gegen Gewalt“.

Vertreterinnen und Vertreter der Fach- und Beratungsstellen von Polizei, Justiz, Jugendhilfe sowie sozialen Einrichtungen nutzten die Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und gemeinsame Strategien.

Besonders eindrücklich waren die vorgestellten Zahlen der Polizei: Im Jahr 2024 wurden im Landkreis 208 Fälle häuslicher Gewalt registriert – ein deutlicher Anstieg gegenüber 172 Fällen im Jahr 2022. Im Aichacher Stadtgebiet beispielsweise wurden 81 Fälle gemeldet, darunter 35 Fälle, in denen Kinder direkt betroffen waren. Fachleute gehen zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Viele Fälle würden nicht zur Anzeige gebracht, sondern erst über Beratungsstellen oder soziale Einrichtungen bekannt.

Die teilnehmenden Beratungsstellen berichteten von einer hohen Nachfrage nach Unterstützung. So wurden allein bei der Beratungsstelle „Via – Wege aus der Gewalt“ im vergangenen Jahr rund 450 Beratungen durchgeführt. Angebote für Männer gewinnen zunehmend an Bedeutung und sollten dringend ausgebaut werden, u.a. Präventionsangebote wie Trainingsprogramme.

Auch an Schutzunterkünften fehlt es. Das Frauenhaus Augsburg stellte in diesem Zusammenhang das Projekt „Second Stage“ vor, das Frauen nach dem Aufenthalt im Frauenhaus beim Übergang in ein eigenständiges Leben begleitet.

Ein zentrales Ergebnis des Treffens: Die enge Vernetzung der Akteure ist entscheidend, um Betroffenen schnell und wirksam helfen zu können. Polizei und Beratungsstellen arbeiten bereits eng zusammen – häufig wird Betroffenen zunächst eine Beratung empfohlen, bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden. Auch das Familiengericht spielt eine wichtige Rolle: Es kann Schutzmaßnahmen wie Kontaktverbote oder Wohnungszuweisungen anordnen.

Neben der akuten Hilfe stand die Prävention im Mittelpunkt der Gespräche. Geplant sind unter anderem verstärkte Informationsangebote an Schulen, Workshops zur Gewaltprävention sowie mehr Aufklärung über Hilfsangebote. Zudem sollen Materialien künftig barrierefreier gestaltet und auch in leichter Sprache angeboten werden. Ein weiterer Ansatz ist die bessere Information über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, da viele Betroffene aus Kostengründen vor rechtlichen Schritten zurückschrecken.

Für das laufende Jahr sind weitere Aktionen und Projekte geplant, darunter Informationskampagnen und Netzwerkveranstaltungen. „Gewalt – insbesondere geschlechtsspezifische Gewalt – ist kein Randthema, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betonte Gleichstellungsbeauftragte Nicole Matthes. „Wir möchten dazu beitragen, dass Hilfesysteme ineinandergreifen und Betroffene möglichst schnell Unterstützung erhalten.“ Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten bleibt klar: Gewalt frühzeitig erkennen, Betroffene besser schützen und Hilfsangebote weiter ausbauen.

 

Foto (© Pressestelle Landratsamt Aichach-Friedberg): Vertreterinnen und Vertreter der Fach- und Beratungsstellen von Polizei, Justiz, Jugendhilfe sowie sozialen Einrichtungen trafen sich im Landratsamt Aichach-Friedberg auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Nicole Matthes und Jutta Schnitzlein zum „Runden Tisch gegen Gewalt“