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Dr. Franz Josef Merkl
An den Rändern der „Volksgemeinschaft“ -Frauenschicksale in der Strafanstalt Aichach 1933–1945
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Theaterverzeichnisse für den Landkreis Aichach-Friedberg: Theatervereine – Theatergruppen – Einheimische Autoren
Leseprobe
Dr. Franz Josef Merkl – An den Rändern der „Volksgemeinschaft“ -Frauenschicksale in der Strafanstalt Aichach 1933–1945
Waren bis zum Beginn der NS-Herrschaft die Gefangenen in Aichach weit überwiegend wegen Eigentumsdelikten und wegen anderer herkömmlicher Verstöße gegen das Reichsstrafgesetzbuch verurteilt worden, änderte sich die Struktur der Gründe im Laufe der 1930-er Jahre und vor allem während der Kriegszeit.
Am 3. Januar 1944 wandte sich der NSDAP-Kreisleiter Schrobenhausen-Aichach an den Münchner Generalstaatsanwalt „Pg. Dr. Helm“ und setzte sich für eine Verstärkung des Aufsichtspersonals und das berufliche Fortkommen mehrerer aus seiner Sicht bewährter Beamtinnen ein. Interessant ist der dazu von Oberverwalter Michael Hecht gelieferte Überblick über die personellen Verhältnisse. So seien am 1. Januar 1942 bei 934 Gefangenen 75 Beamtinnen im Dienst gewesen. Bis Juni 1943 habe sich der Gefangenenstand auf 1900 erhöht; jetzt könne man mit 78 Beamtinnen, davon seien 30 Hilfskräfte, selbst bei genauester Diensteinteilung den Anstaltsbetrieb praktisch nicht mehr aufrechterhalten.
Bei Rüstungsaufträgen und Außenarbeiten könne man mit 159 „politischen Verbrecherinnen“, zwölf „Bibelforscherinnen“, zwei Jüdinnen, 117 „Protektoratsangehörigen“ und 44 „Ausländerinnen versch. Nationalität“ praktisch nicht viel anfangen. Diese Veränderung zeigt auch die von Hannelore Friedlein vorgenommene Auswertung eines Gefängnis-Grundbuches der Jahre 1943/44 mit Eintragungen zu 713 Gefangenen.
Herkömmliche Rechtsverstöße wie Eigentumsdelikte (30), Abtreibungen (11), Missbrauch der Amtsgewalt (5), Sexualstraftaten (5), Tötungsdelikte (10), Meineid (11) und Verleumdung (3) waren jetzt in der Minderheit. Eigentumsdelikte unter den verschärften Vorschriften für die Kriegszeit (23) und vor allem Verstöße gegen die restriktiven Kriegswirtschaftsvorschriften (140) waren schon häufiger. Je eine Strafe war wegen „Rassenschande“ und wegen eines Devisenvergehens ergangen.
Den Hauptanteil machten jetzt 473 Dissens- und Widerstandshandlungen aus. Zu ihnen gehörten fünf Fälle von „Zersetzung der Wehrkraft“, 40 Fälle „verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen“, 61 „Rundfunkverbrechen“, 99 Fälle „unerlaubten Waffenbesitzes“ – von Frauen aus besetzten Ländern –, sowie 232 Fälle von „Vorbereitung zum Hochverrat“. Der Befund belegt die Feststellung von Nikolaus Wachsmann zur Rolle der Justiz bei der Kriminalisierung des politischen Dissenses und der Politisierung der gewöhnlichen Kriminalität. Er zeigt zudem den Beitrag der Justiz zum „Kampf an der inneren Front“, an der es in der Kriegszeit darum ging, die „kämpfende Volksgemeinschaft“ zusammenzuhalten.