Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine

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Hinweis: Die Ausführungen hier geben den aktuellen Rechtsstand wieder. Zum 01.06.2022 ist eine Rechtsänderung geplant. Insbesondere sollen Geflüchtete aus der Ukraine ab dem 01.06.2022 keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz mehr erhalten, sondern Leistungen nach dem SGB II/ XII. Welche Auswirkungen dies auf die Unterbringung haben wird, ist aktuell noch nicht genau bekannt.

Nach aktuellem Stand sind Geflüchtete aus der Ukraine, die ein Schutzgesuch äußern, berechtigt, jedoch nicht verpflichtet, in einer staatlichen Unterkunft und damit in einer Asylunterkunft zu wohnen.

Unterbringung in einer staatlichen Unterkunft: Die Unterbringung in einer staatlichen Unterkunft erfolgt im Landkreis in sogenannten dezentralen Unterkünften. Diese werden vom Landkreis zur Unterbringung von Geflüchteten und Asylbewerbern angemietet. Im Landkreis gibt es viele solche staatlichen Unterkünfte, in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Es gibt größere Unterkünfte, in denen eine größere Zahl von Menschen zusammenleben und sich unterschiedliche Einrichtungen teilen, wie beispielsweise Küchen, Sanitäreinrichtungen, Gemeinschaftsräume usw., aber auch kleinere Unterkünfte, wie einzelne Wohnungen. Es besteht keine Wahlmöglichkeit. Vielmehr erfolgt eine Zuteilung je nach Verfügbarkeit. Hier besteht keine Verpflichtung dort dauerhaft zu wohnen, ein Auszug in eine eigene Wohnung/Unterkunft ist möglich, sofern die Rahmenbedingungen passen. Hierzu ist eine Absprache mit dem Landratsamt erforderlich bzw. wird diese dringend empfohlen, insbesondere, wenn dabei Kosten, wie beispielsweise Mieten anfallen und diese nicht von den Geflüchteten selbst übernommen werden können.

Angaben zu den Rahmenbedingungen finden Sie hier.

Private Unterkünfte: Es gibt jedoch auch viele Geflüchtete, die bei Verwandten, Bekannten oder sonstigen privaten Personen oder Initiativen wohnen können. Dies ist problemlos möglich, sofern die Rahmenbedingungen stimmen, dies gilt insbesondere für möglicherweise anfallenden Kosten. Sofern es sich bei der genannten Art der Unterkunft nur um eine kurzfristige Unterkunftsmöglichkeit handelt, wird darauf hingewiesen, dass auch aus dieser Situation heraus eine Unterbringung in einer staatlichen Unterkunft erfolgen kann. Die zuständigen Behörden suchen jedoch KEINE private Anschlussunterkunft im Sinne einer eigenen Wohnung für die Betroffenen. Der Wohnungsmarkt steht den Betroffenen inklusiver möglicher „Sozialwohnungen“ jedoch ebenfalls zur Verfügung. Die Betroffenen müssen sich diesbezüglich selbst um eine Wohnung kümmern.

Geflüchtete sind im Landkreis angekommen und haben zunächst keine Unterbringungsmöglichkeit: Hierzu ist die erste Anlaufstelle die sogenannte ANKER-Einrichtung der Regierung von Schwaben. Diese befindet sich in der Aindlinger Straße 16 in 86167 Augsburg. Hier werden die Geflüchteten aufgenommen und registriert und im Anschluss entsprechend einer bestimmten Verteilerquote auf die Landkreise und kreisfreien Städte in staatliche Unterkünfte verteilt. Auch hier besteht jedoch keine Verpflichtung dort dauerhaft zu wohnen, sofern die Geflüchteten eine private Unterkunft finden, ist ein Auszug möglich, sofern keine Wohnsitzzuweisung erfolgt ist. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass sofern die Unterkunft/Wohnung nicht selbst finanziert werden kann, eine Abstimmung mit dem Landratsamt erforderlich ist.

Private Angebote zur Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine: Viele Menschen im Landkreis möchten die Geflüchteten aus der Ukraine unterstützen und haben daher angeboten, jemanden bei sich aufzunehmen oder den Betroffenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Bislang wurden diese Angebote gesammelt und bei Bedarf entsprechende Kontakte vermittelt. Dieses Verfahren wurde nun umgestellt. Zwischenzeitlich steht die „Wohnraumbörse“ als private Vermittlungsplattform zur Verfügung. Personen, die Wohnraum anbieten möchten, können auf dieser Plattform ihre Angebote unter Angabe der Rahmenbedingungen (insbesondere Art der Unterbringung, Dauer, Kosten usw.) veröffentlichen. Geflüchtete, die Wohnraum suchen, können sich auf dieser Plattform erkundigen und sich mit den Anbietenden in Verbindung setzen. Es handelt sich hier um eine rein private und keine staatliche Vermittlung., so dass staatlicherseits keine Garantien übernommen werden können. Die Links zur Wohnraumbörse finden Sie unten.

Sofern ein Mietvertrag eingegangen werden soll, gilt auch hier, dass die Rahmenbedingungen im Vorfeld, insbesondere die Kosten, mit der zuständigen Leistungsbehörde abgeklärt werden müssen. Nähere Infos bietet das Informationsblatt für aus der Ukraine Geflüchtete Personen und Wohnungsgeber zur Anmietung von Privatwohnungen hier.

 

Empfehlungen

Bei der privaten Unterbringung gibt es unterschiedliche Varianten. Den größten Unterschied macht dabei insbesondere, ob Sie den Geflüchteten eigenen Wohnraum im Sinne einer „normalen“ Vermietung anbieten, oder jemanden bei sich zuhause aufnehmen möchten. Im Folgenden finden Sie einige Empfehlungen, die grundsätzlich auf beide Varianten zutreffen, jedoch insbesondere für die Aufnahme im eigenen Haushalt zu beachten sind und als Hilfestellung für ein gutes Miteinander dienen sollen.

Empfehlung 1: Hinterfragen Sie Ihre Beweggründe und welche Möglichkeiten Sie haben.
Welche Erwartungen haben Sie an die neue Situation? Und können diese Erwartungen erfüllt werden? Kommunizieren Sie klar, was Sie anbieten wollen. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie den Geflüchteten eigenen Wohnraum im Sinne einer „normalen“ Vermietung anbieten oder jemanden bei sich zuhause aufnehmen möchten.

Empfehlung 2: Prüfen Sie ob Ihre Räumlichkeiten für eine Aufnahme geeignet sind.
Haben Sie genug Platz, dass sowohl Sie als auch Ihre Gäste sich einmal zurückziehen und allein sein können? Jeder braucht ab und an Zeit und Ruhe für sich.

Empfehlung 3: Überlegen Sie, welche Ressourcen und Fähigkeiten Sie mitbringen.
Stehen Sie stabil im Leben und können darüber hinaus Ihren Gästen Stabilität bieten? Wie lang könnte eine Familie bei Ihnen wohnen? Wenn Geflüchtete zu Ihnen kommen, benötigen Sie in erster Linie Stabilität und Sicherheit – und das über eine längere Zeit hinweg.

Empfehlung 4: Informieren Sie sich vorab über die Rahmenbedingungen.
Informieren Sie sich darüber, welche Unterstützungsmöglichkeiten Ihnen Ihre Gemeinde bzw. der Landkreis Aichach-Friedberg bietet. Nähere Informationen hierzu finden Sie hier.

Empfehlung 5: Gleichen Sie die Erwartungen mit den einzugswilligen Personen ab und machen Sie Ihre Rolle klar. Sollten bei Ihnen Geflüchtete einziehen, sprechen Sie im Vorhinein mit Ihnen und klären Sie ab, was Sie und die Geflüchteten erwarten. Um Stabilität zu vermitteln, müssen Geflüchtete auch wieder Handeln können und dürfen. Schon durch eigene Einkäufe oder abwechselndes Kochen, können Sie hier eine wichtige Unterstützung bieten. Die richtige Mischung machts.

Empfehlung 6: Achten Sie Privatsphäre und Selbstbestimmung der Schutzsuchenden.
Jede und jeder benötigt in dieser schwierigen Phase einen Rückzugsort, an dem man ganz für sich sein kann. Dazu gehört auch schon das Klopfen an einer Zimmertür, bevor man dieses betritt. Geflüchtete kommen mit einem großen Gepäck an Aufgaben zu Ihnen. Sie müssen einerseits mit dem Erlebten „zurecht“ kommen und sich andererseits ein neues, selbstbestimmtes Leben aufbauen.

Empfehlung 7: Nehmen Sie Rücksicht auf (mögliche) Traumatisierungen.
Es kann sein, dass Ihre Gäste eine Traumatisierung entwickeln – muss aber nicht sein. Informationen zum unterstützenden Umgang von Geflüchteten finden Sie hier.

Empfehlung 8: Suchen Sie sich Unterstützung
Geflüchtete bei sich aufzunehmen ist sehr ehrenwert – aber auch nicht ganz einfach. Sie werden sich alle in einer ganz neuen Situation befinden, die man erst einmal kennenlernen und annehmen muss. Suchen Sie sich bei Unklarheiten, Fragen und aufkommenden Problemen zeitnah Unterstützung. Zahlreiche Beratungsstellen stehen Ihnen mit Rat zur Seite. In dieser Übersicht sind einige der Beratungsstellen und Hilfen für Helfende und Geflüchtete aufgelistet. Diese werden regelmäßig erweitert und aktualisiert.

Empfehlung 9: Schützen Sie sich und die Geflüchteten vor einer Corona-Infektion
Noch immer leben wir in einer Pandemie. Nutzen Sie die kostenlosen Impfangebote und sprechen Sie mit Ihren Gästen darüber. Nähere Informationen über das Impfangebot im Landkreis Aichach-Friedberg finden Sie hier.

Quelle: A. Hammerl, mod. nach „Leitfaden: Unterbringung Geflüchteter im privaten Wohnraum“, Stand: 17.03.2022, www.caritas.de

 

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